Wohnen im Stadtzentrum wird unbezahlbar
Bild: Evers

Ein dörfliches Umfeld ist laut einer Studie der LBS West für Wohnungssuchende weiter attraktiv. Innenstadtlagen verlieren dagegen wegen sehr hoher Preise an Bedeutung.

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„Unbezahlbare Preise und mangelndes Angebot“ sind nach Auskunft von Jörg Münning, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse, Hauptgrund für die überraschende Entwicklung. Als störend werde zudem der Wandel der Innenstädte zu Veranstaltungsräumen empfunden. Der LBS-Chef stellte gestern in Münster die Ergebnisse einer Online-Befragung zu den Wohnwünschen der NRW-Bürger vor. Erste Wahl sind demnach für 40 Prozent der Befragten ruhige Stadtviertel.

Wohnen auf dem Land

Eine konsequente Nachfrage gibt es laut Münning nach dem Wohnen auf dem Land. 16 Prozent derjenigen, die in den nächsten Jahren umziehen wollen, zieht es in ein dörfliches Umfeld. Die Schlussfolgerung des LBS-Chefs: „Ländliche Räume dürfen nicht abgehängt werden. Auch sie leisten ihren Beitrag zur Wohnraumversorgung.“

Mobilität nimmt zu

Insgesamt hat nach Erkenntnisse der Landesbausparkasse die Mobilität der NRW-Bürger deutlich zugenommen. Jeder zweite Haushalt plant in den nächsten Jahren einen Umzug oder schließt diesen zumindest nicht aus. Das sind doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Der Wohnort muss dabei keineswegs nahe der Arbeitsstelle liegen – im Gegenteil. Im Schnitt würden die Bürger pro Weg durchschnittlich 32 Kilometer pendeln.

Soziale Bindungen beim Wohnen zählen Münning zufolge deutlich mehr als kurze Wege zur Arbeitsstelle. „Sicherheit“, „Ruhe“ und „Gute Nachbarschaft“ sind demnach die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Wohnumfeldes. Die Versorgung mit schnellem Internet ist Bürgern fast genauso wichtig wie Einkaufsmöglichkeiten in erreichbarer Nähe.

Es wird zuwenig gebaut

Münning klagte, dass in NRW Jahr für Jahr 25.000 Wohnungen zu wenig gebaut würden. Der Eigenheimbau stagniere bei 17 000 Wohnungen. Gesucht werden laut dem LBS-Chef vor allem 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen in Gebäuden mit maximal zwölf Einheiten. Hochhäuser seien bei Mietern extrem unbeliebt.

Die Politik ist Münning zufolge gefordert, Anreize für den Wohnungsbau zu schaffen. So sollten die Einkommensgrenzen für die Wohnungsbauprämie angepasst werden. Zudem solle die Grunderwerbssteuer gesenkt werden.

LBS West schließt Umbau ab

Die LBS West hat ihren Anfang 2015 begonnen Unternehmensumbau zwei Jahre früher als geplant abgeschlossen. Mit dem Programm „LBS 2020“ sollte die Kasse fit gemacht werden für die Anforderungen aus Niedrigzins und europäischer Bankenaufsicht.

„Wir haben innerhalb von nicht einmal drei Jahren den Verwaltungsaufwand um 40 Millionen auf jährlich 100 Millionen Euro gesenkt“, berichtete Vorstandschef Jörg Münning gestern in Münster. Es wurden 100 Mitarbeiter abgebaut und der Standort Düsseldorf geschlossen.

Die LBS West gilt laut Münning als produktivste Landesbausparkasse Deutschlands. Jeder Sachbearbeiter verwaltet 4000 Verträge. Andere Bausparkassen honorieren das: Die LBS Hessen-Thüringen etwa wird ab Dezember die Bearbeitung von Bausparverträgen in der Ansparphase auf die LBS West übertragen. „Kooperationen sind schneller einzufädeln als Fusion“, erklärte Münning. Fusionspläne mit anderen Landesbausparkassen gebe es derzeit nicht. „Wir wissen aber, wie es geht“, sagte der LBS-Chef. 2014 fusionierte die LBS West mit der LBS Bremen.

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