„Zahnpatient“ aus dem 3D-Drucker
Bild: Mense
Laura Nienhaus, Studentin an der Uni Münster im zehnten Semester, profitiert in der praktischen Ausbildung von den realistischen Trainingsmodellen.
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Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Zahnmedizin erfolgt die praktische Ausbildung der Studenten im Bereich der Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie weitestgehend an Modellen. „Die Eingriffe, etwa die Entfernung eines Weisheitszahns, sind oft komplex und so schwierig, dass Studenten sie nicht an Patienten ausführen dürfen“, erklärt Prof. Dieter Dirksen, Leiter des Bereichs Werkstoffkunde und Technologie der Poliklinik für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien.

3D-Drucker liefert Zahnmodell

Geübt wird in der Regel an Standardmodellen, die die Problemstellungen in der zahnärztlichen Praxis nur unzureichend wiedergeben. Damit wollte sich Prof. Dirksen mit seinem Team nicht zufriedengeben. Die Idee: Kieferabdrücke (von echten Patienten), die bereits durch Scan-Verfahren digital erstellt werden können, werden im Rechner dargestellt und aufbereitet.

Anhand der Daten liefert der 3D-Drucker ein Zahnmodell, das exakt dem des Patienten entspricht – und ein wirklichkeitsgetreues Testobjekt für die Studenten darstellt. „Die Anleitung für den Eingriff können sich die angehenden Zahnmediziner in einem Lehrvideo anschauen“, berichtet Dr. Marcel Hanisch, Zahnarzt für Oralchirurgie an der Klinik für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie. Die digitale Technik lässt es sogar zu, dass besondere Schwierigkeiten in das Modell „eingearbeitet“ werden.

Ausdruck kostet etwa 20 Euro

Der 90.000 Euro teure 3D-Drucker im Klinik-Labor sieht unspektakulär aus. Groß wie ein leistungsstarker Kopierer, arbeitet das Gerät stoisch seine datenbasierten Aufträge ab: Etwa drei Stunden benötigt er, um ein Zahnmodell zu erstellen, zehn identische schafft er in fünf Stunden. Wie von Geisterhand gesteuert sprüht er in höchster Präzision 14 tausendstel Millimeter dicke Schichten flüssigen Kunststoffs auf, der unter UV-Licht blitzschnell aushärtet.

Für sich genommen rechnet sich das Verfahren: Der Ausdruck eines Modells kostet laut Prof. Dirksen etwa 20 Euro, die bisher verwendeten Standard-Modelle 300 Euro. Umgesetzt werden konnte das Projekt durch Landesmittel zur Qualitätsverbesserung der Lehre, von denen die Uni Münster jährlich etwa 17 Millionen Euro erhält.

Fester Bestandteil des Lehrplans

Was vor vier Jahren als Pilotprojekt begann, ist in Münster mittlerweile fester Bestandteil des Lehrplans für die angehenden Zahnmediziner. „In ähnlicher Form gibt es das bisher nur an der Uni München“, betont Hanisch. In ein bis zwei Jahrzehnten, so ist sich Prof. Dirksen sicher, kommt der Zahnersatz komplett aus dem Drucker. Aktuell lässt die Werkstoffqualität das noch nicht zu.

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