Zeche Prosper-Haniel eröffnet letzte Sohle
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Auf der Bottroper Zeche Prosper Haniel wird am heutigen Freitag das aller Voraussicht nach letzte große Erweiterungsprojekt des deutschen Steinkohlebergbaus - eine neue Sohle - eröffnet.
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Auf der Bottroper Zeche Prosper Haniel ist am Freitag das wohl letzte große Der mit Milliarden subventionierte deutsche Steinkohlebergbau wird aber laut Gesetz spätestens 2018 abgewickelt, so dass diese Vorräte voraussichtlich nicht vollständig abgebaut werden.

Die Zeche beschäftigt heute noch rund 4500 Bergleute. Zur Eröffnung waren zahlreiche Besucher, Nachbarn und der Bottroper Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) gekommen. Als traditioneller Höhepunkt der Eröffnung war die Segnung einer Figur der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, geplant.

Nach dem Ende des Bergbaus steht die 119 000-Einwohner-Stadt vor einem schwierigen Strukturwandel. Dabei setzt sie ganz auf grüne Technik: Als "Innovation City" will Bottrop mit Unterstützung des Landes und der Industrie zu einer Vorzeigestadt der CO2-Einsparung werden.

An der rund 100 Millionen Euro teuren Bergwerkserweiterung war seit 2004 gearbeitet worden. Die Zeche bekommt mit der neuen Sohle Zugang zu 54 Millionen Tonnen besonders hochwertiger Kohle, wie der Sprecher des Betreiberunternehmens RAG, Frank Kremer, sagte.

Der Bau einer neuen Bergwerkssohle ist eine technische Meisterleistung: Im laufenden Betrieb des Bergwerks wurde unter dem Hauptschacht in mehr als 900 Metern Tiefe noch gut 200 Meter tiefer bis auf 1159 Meter Tiefe gebohrt. Dort entstanden unter anderem ein kompletter Bahnhof unter Tage und ein kilometerlanges Streckennetz für den Abbau.

Abbaubetrieb beginnt 2014

Der eigentliche Abbaubetrieb beginnt auf der neuen Sohle voraussichtlich 2014. Beim derzeitigen Kokskohlepreis von 312 Dollar (ab Australien ohne Fracht) ist die Kohle aus Prosper nach Einschätzung von Experten aktuell ohne Subventionen marktfähig. Das kann sich aber schnell wieder ändern - wie bei vielen Rohstoffen schwankt der Kohlepreis seit einigen Jahren stark.

Der Planungshorizont bei Bergwerken ist aber nicht zuletzt wegen komplizierter Genehmigungsverfahren lang. Vom ersten Antrag bis zum Kohleabbau können 15 Jahre vergehen. Ernsthafte private Investoren für einen Steinkohleabbau ohne staatliche Hilfe haben sich vor diesem Hintergrund bisher nicht gefunden. Das bedeutet allerdings auch, dass die deutsche Bergbaumaschinenindustrie - mittelständisch organisiert und bisher Weltmarktführer - künftig ihr heimisches Versuchsfeld verliert.

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