Ruhrgebiet als Vorbild für Ballungsräume 



Bonn (dpa/gl) - Das Ruhrgebiet könnte nach Ansicht von Experten Vorbild für andere Ballungsräume mit Millionen von Einwohnern werden. „Wir haben hier keine Mega-City, die unregierbar ist", sagte der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) mit Sitz in Bonn, Dirk Messner.

Die Zeche Zollverein in Essen als Symbol für das Ruhrgebiet: Der Ballungsraum mit vielen Städten verschiedener Größen funktioniert besser als Megastädte in Afrika und Asien und könnte denen als Vorbild dienen.

Die großen Ruhrstädte wie Dortmund und Essen haben knapp 600 000 Einwohner, in den kleineren wie Recklinghausen oder Hamm leben zwischen 100 000 und 200 000 Menschen. Insgesamt zählt das Ruhrgebiet etwa fünf Millionen Einwohner. In vielen Megastädten wie Jakarta oder Lagos sind es mehr als zehn Millionen Menschen in einer einzigen Stadt.

Dort funktionierten Infrastrukturen nicht mehr, ein großer Teil der Bevölkerung lebe in Slums, so Messner. Selbst besser funktionierende Ballungsräume seien oft Moloche aus Beton, Autobahnkreuzen und unwirtlichen Quartieren. Die Mischung von mittelgroßen Städten mit insgesamt vier oder fünf Millionen Menschen - wie dem Ruhrgebiet - funktioniere hingegen deutlich besser.

Messner, der auch die Bundesregierung berät, sieht aber auch die Probleme der Region in Nordrhein-Westfalen. „Um die 20 Prozent der Bevölkerung lebt in prekären Verhältnissen oder macht sich Sorgen, im Niedriglohnsektor zu landen. Darum muss sich Politik kümmern."

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