RW Ahlen siegt, und KFC Uerdingen sieht Rot



Die Enttäuschung des Gegners ist der Lohn des Siegers. Insofern hat RW Ahlen hoch gewonnen. Aber es war durchaus kompliziert.

Fußballballett der guten Laune: Andreas Ivan (l.) und Jan Holldack feiern den Sieg mit einem Pas de deux.

Ahlen (uwe). Wenn man den Gegner am Ende so dermaßen deprimiert in schmalem Hemd und kurzen Hosen zurücklässt, dann muss man ja was richtig gemacht haben. Einerseits fällt das karge 1:0 RW Ahlens gegen Schlusslicht KFC Uerdingen zwar in das Genre „Arbeitssieg“, andererseits war der Gastgeber so dermaßen überlegen, dass die spärliche Fußballkost fast schon wieder Spaß gemacht hat.

„Die Festung Wersestadion hält!“ Trainer Andreas Zimmermann war es schließlich sowieso schnuppe, dass man sich doch etwas schwer tat, den Pflichtsieg nach Hause zu karren, Hauptsache eine Serie von jetzt neun ungeschlagenen Auftritten daheim  hatte Bestand. „Gut, wir hätten natürlich zwei, drei machen müssen, können, sollen.“ Womit er auffallend Recht hatte,  dennoch kam der Gast aus Uerdingen mit seinen wenigen Entlastungsangriffen nie für einen Sieg in Frage, obwohl Ahlen mit seinen Chancen fast schon inflationär umging.

Was die bedauernswerten Gegner im letzten Viertel so mitnahm, dass sie mit gelebter Enttäuschung und zwei Roten Karten ihren Holzweg auch noch mit Steinen pflasterten. Die erste Disqualifikation war schon die Entscheidung. Uerdingens Sierck kann den quirligen Andreas Ivan in der Box nur noch am Trikot festhalten. Also hatte der letzte Mann mit Notbremse duschen zu gehen, und Holldack trat den Strafstoß zum 1:0 ins Netz (69.). Nur, um das Uerdinger Missvergnügen noch zu verdeutlichen, wusste sich Fladung, der gegen Anan den Kürzeren gezogen hatte, nicht anders zu äußern, als mit einer Spuckattacke, die der Linienrichter petzte. Also nochmal Rot, das aber in der 88. Minute, als bereits alles gelaufen war.

 „Normal kann man bei einem 1:0 Sorgen haben, aber ich wusste: da brennt nichts mehr an“, erklärt Zimmermann sein Bauchgefühl angesichts der gewaltigen Feldüberlegenheit seiner Jungs, die sich trotz zweier Lattentreffer von Wiesweg (24./27.) schwer taten, ins Spiel zu kommen. Auch nach Holldacks Versuch aus spitzem Winkel, den KFC-Torwart Jovic knapp hielt, war zu spüren, dass es diesen Samstag kompliziert werden könnte.

Mit Anan für Mamutovic (46.) und schließlich Marzullo für den starken, aber statischen Groothusen (72.), der auch noch einen Kopfball neben das Tor setzte, versuchte Zimmermann mehr Beweglichkeit in seine Offensive zu bekommen. Die Warnschüsse von Atsina und Baba, die Szczepankiewicz reaktionsschnell parierte, deuteten das Risiko bereits an. Zumal Ahlen weiter Möglichkeiten verstolperte, wie die, als Pihl und Anan beide hätten abziehen können, aber jeweils dem anderen den Vortritt ließen. Und natürlich beide aus purer Höflichkeit das Tor verpassten (66.). Holldacks Elfmeter war da schon beruhigendes Gold wert, auch deshalb, weil Ivan später mit dem dritten Holztreffer des Spiels andeutete, dass mit einem 2:0 an diesem Nachmittag nicht mehr zu rechnen war. Ein zweites Tor, dass hernach kein Ahlener vermisste.

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