Saskia Kraft auf Klinikschiff im Einsatz



Langenberg (lani) - Saskia Krafts jüngster Auslandsaufenthalt war nicht nur ein Trip an die westafrikanische Küste in eine der ärmsten Regionen der Welt. Der freiwillige Hilfseinsatz an Bord des Klinikschiffs „Africa Mercy“ war für die gebürtige Langenbergerin auch eine Reise zu sich selbst.

Zusammen mit Freiwilligen aus insgesamt 40 Nationen ist Saskia Kraft drei Wochen lang auf dem Hilfsschiff „Africa Mercy“ im Einsatz gewesen. In Guinea hat sie dabei auch viele Freundschaften geschlossen.  

Drei Wochen lang ist die Zahnmedizinische Fachangestellte mit teils erschütternden Schicksalen der Menschen in Guinea konfrontiert worden – was ihr geholfen hat, vermeintlich selbstverständliche Dinge mehr wertzuschätzen. Dutzende Menschen warten bereits vor der Zahnklinik am Rande Conakrys, die als Außenstelle der „Africa Mercy“ Ziel für Frauen, Männer und Kinder aus dem gesamten Land ist.

Not und Elend sind allgegenwärtig

Manche stehen bereits seit Stunden an, um eine für sie kostenlose Zahnbehandlung zu bekommen. Als Saskia Kraft, weitere Freiwillige und einheimische Mediziner aus dem Jeep steigen, wird spontan geklatscht. Ein anderes Mal nimmt eine Frau die junge Deutsche, die der Patientin gerade zusammen mit dem Arzt sieben Zähne gezogen hat, mit Tränen in den Augen in den Arm und drückt sich ganz fest an ihre Heldin. Es sind Momente wie diese, die Saskia Kraft nachdenklich machen.

„Die Frau wird wahrscheinlich zurückgegangen sein in ihre Wellblechhütte und anschließend nicht mehr gescheit kauen haben können. Aber sie wird keine Schmerzen mehr gehabt haben“, sagt die Zahnarzthelferin. Dennoch habe sie sich in diesem Moment gewünscht, mehr tun zu können als nur diese schnelle Behandlung. Die Not und das Elend seien einfach allgegenwärtig gewesen. „So etwas kann man nicht einfach ausblenden, so schön das Gefühl auch war, helfen zu können“, sagt sie.

„Warum machen wir das alles hier?“

Zwischenzeitlich habe sie sogar eine Sinnkrise durchlaufen, blickt die Wahl-Rheda-Wiedenbrückerin auf den Hilfseinsatz in Westafrika, für den sie im vergangenen Jahr sich beworben hatte, zurück. Den Boden unter den Füßen weggerissen habe es ihr, als ihr ein Mediziner der Hilfsorganisation sagte, dass ein Mädchen, dem aufgrund eines Tumors der Unterkiefer entfernt werden musste, wahrscheinlich sterben werde. Der Grund: Das Hilfsschiff lege demnächst wieder ab, ohne Nachbehandlung sei sie dem Tod geweiht. „Da habe ich mich gefragt: Warum machen wir das alles hier?“, erinnert sich die 29-Jährige.

Wieder zu Hause, nach einem Gespräch mit einem befreundeten Pastor, habe sie gelernt, mit dem Erlebten umzugehen. „Mir ist klar, dass wir nicht die Welt retten können. Aber jeder Einzelne, dem wir helfen konnten, wird nun ein bisschen mehr Lebensqualität haben. Das ist das, was zählt“, sagt Saskia Kraft.

Der dreiwöchige Hilfseinsatz für die Organisation Mercy Ships war für Saskia Kraft, die in der Praxis ihres Lebensgefährten in Rheda angestellt ist, alles andere als Routine. Geschlafen hat sie an Bord der schwimmenden Klinik, zusammen mit 400 weiteren Ehrenamtlichen aus insgesamt 40 Nationen. Die Sechser-Koje, in der sie untergebracht war, bot nicht viel Raum für Privatsphäre.

Eine zahnmedizinische Versorgung gibt es quasi nicht in Guinea

Für den Freiwilligendienst ging es an fünf Tagen die Woche mit dem Jeep zur Zahnklinik auf dem Festland. Zwar seien die Behandlungsräume gut ausgestattet sowie alles andere als ein Behelf und auch der Hygienestandard sei höher als erwartet gewesen. Dennoch habe sich die Arbeit deutlich von der in Deutschland unterschieden. Allein schon deshalb, weil immer wieder der Strom ausfiel. „Dann funktioniert beim Zahnziehen der Sauger halt nicht. Was soll’s? Wir sind in Afrika“, habe sie sich dann gedacht, erinnert sich die gebürtige Langenbergerin.

„Eine zahnmedizinische Versorgung gibt es quasi nicht in Guinea. Und auch Zahnbürsten kennen nur die wenigsten“, erläutert Kraft. Dementsprechend seien die Patienten teils mit gravierenden Problemen und „Höllenschmerzen“ zum Mercy-Ships-Team gekommen. 162: So viele Zähne habe sie etwa zusammen mit einem kanadischen Arzt gezogen – an nur einem Tag. Nach Feierabend und an den Wochenenden hat sich die 29-Jährige mal in Begleitung von Kolleginnen aus der Schweiz und Kanada, mal auch allein aufgemacht, um Land und Leute kennenzulernen.

Dann habe sie ihre Kamera in den Rucksack gepackt und sei los. Auch wenn das seitens der Organisation nicht gerngesehen war. Das Bild, das man ihr als Warnung von den Menschen vermittelt habe, bekam sie nicht zu sehen. Sie sei überall offen und herzlich aufgenommen worden. Auch deshalb könne sie sich gut vorstellen, noch einmal mit der „Africa Mercy“ auf Hilfseinsatz zu gehen.

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