Satire: Kunstaktion sorgt für Irritationen



Ahlen (det) - Acht schwarz gekleidete Männer mit roten Armbinden ziehen mit einem Handwagen durch die Innenstadt. Sie sind laut, wirken Furcht einflößend und verteilen Flugblätter mit einer geballten Faust und Frakturschrift, die früher von den Nazis verwendet wurde. Doch Entwarnung: Dies ist kein Auflauf von Rechten, sondern eine Kunstaktion.

Allerdings hat die Performance am Freitagnachmittag für Irritationen gesorgt  Mehrere Ahlener rufen umgehend bei der Polizei an und melden einen Aufmarsch von „Extremisten“. Wenige Minuten später sind Beamte vor Ort, nehmen die Personalien auf und lassen sich die Aktion erklären, die im Rahmen des Projekts „PPP-Festival 2“ (Past.Present.Perform) stattfindet.

Die Idee und das Konzept für die „Performance-Art in Münster und dem Münsterland“ stammen von dem Künstler Stephan US, der schon mehrere Aktionen in Zusammenarbeit mit dem Bürgerzentrum (Büz) durchgeführt hat.

Bei den Akteuren in der Fußgängerzone handelt es sich um die „Front Deutscher Äpfel“ (FDÄ), bisweilen auch verkürzt Apfelfront genannt. Die satirische Organisation, die rechtsextreme Parteien, insbesondere die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), parodiert, wurde 2004 in Leipzig gegründet. Sie unterteilt sich in Anlehnung an ehemalige oder existierende rechtsextreme Organisationsstrukturen in zahlreiche Untergruppen wie die Jugendorganisation Nationales Frischobst Deutschland (NFD) und die Frauenorganisation Bund weicher Birnen (BWB). Der Name selbst geht zurück auf Holger Apfel, der von 2004 bis 2013 Vorsitzender der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag war.

„Mit so einer Alarmbereitschaft der Ahlener Bürger hätte ich nicht gerechnet“, gesteht Stephan US ein. Zumal als Symbol ein schwarzer Apfel gewählt worden sei. Wichtig sei ihm und der Gruppe die Aufklärung vor Ort gewesen. Passanten und Gäste in den Straßencafés seien über den Hintergrund informiert worden.

Gleichwohl scheint der Sinn der Aktion nicht überall erkannt worden zu sein. Einige Ahlener sind empört: „Viele haben das nicht verstanden“, meint eine Passantin. Kunst dürfe nicht Angst schüren.

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 12. September.

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