Schädlingsbekämpfer saugt Nester weg



Harsewinkel (jau) - Schädlingsbekämpfer und Gebäudereiniger Jörg Küpper macht mit den Eichenprozessionsspinnern, die durch die milde Witterung zur Plage geworden sind, kurzen Prozess. Der Mitarbeiter der Harsewinkeler Firma Kottmeyer saugt die Nester der Nachtfalter-Raupen einfach weg.

Mit Schutzoverall, Atemmaske sowie mit Hand- und Armschutz spürt Schädlingsbekämpfer Jörg Küpper von der Harsewinkeler Firma Kottmeyer die Eichenprozessionsspinner-Nester in den Eichen auf. Dann saugt er die Nester kurzerhand weg – Problem erledigt, auf zum nächsten Fall. Denn: Einsatzorte gibt es derzeit satt und reichlich.

Derzeit macht er nichts anderes, wie er sagt. Denn: Das Telefon steht bei Kottmeyer nicht mehr still. Überall im Kreisgebiet werden die Nester der Plagegeister mit den giftigen Haaren an Eichen entdeckt.

Ein geschultes Auge für den Thaumetopoea processionea

Einer seiner Einsatzorte am Donnerstagvormittag: die Hülsbrockstraße in Gütersloh. Die Stadt hat die Harsewinkeler Firma, die sich nicht nur auf Gebäudereinigung spezialisiert hat, sondern unter anderem auch auf die Schädlingsbekämpfung, eingeschaltet. Jörg Küpper rückt samt Hubwagen und Kollegen an. Der Schädlingsbekämpfer hat ein geschultes Auge für den Thaumetopoea processionea, so lautet der korrekte Name der Eichenprozessionsspinner.

Eindeutige Fraßspuren an den Blättern

 „Schauen Sie mal die Blätter, da sieht man deutliche Fraßspuren. Die Eichenprozessionsspinner lassen nur die Blattrippen stehen“, sagt Küpper, der weiter nach Nestern fahndet. „Aha, da ist eine Fadenspur.“ Und die führt bis zum nächsten Nest. Drei Eichen sind an der Hülsbrockstraße befallen.

Ohne Schutzkleidung geht nichts

Bevor der Schädlingsbekämpfer loslegt, zieht er seinen weißen Schutzoverall an, stülpt die Kapuze über den Kopf und zieht den Atemschutz über Nase und Mund. Er zieht die langen Handschuhe an, die bis zu den Schultern reichen. Mit dem Hubwagen geht es etwa zwei, drei Meter in die Höhe. Er schaltet den H-Sauger – so nennt man das blaue Gerät, das auch bei der Asbest-Entsorgung eingesetzt wird – ein und legt los.

Brennhaare sind gesundheitsgefährdend

„Dieser Sauger gibt keine Partikel nach außen. Und beim Eichenprozessionsspinner ist es wichtig, dass die Brennhaare der Raupen entfernt und nicht wieder nach draußen geblasen werden. Denn sie sind gesundheitsgefährdend. Bei einem Kontakt kommt es zu Juckreiz, Ausschlägen, zu Rötungen oder auch zur Quaddelbildung. Im schlimmsten Fall, wenn jemand darauf allergisch reagiert, kann es lebensgefährlich werden“, klärt Jörg Küpper auf.

Saugen, verkleben, aushärten, entsorgen

Die Nester werden vom blauen Gerät eingesaugt. Und was passiert dann mit den Plagegeistern? „Wir übergießen die Nester mit dem Bindemittel Wasserglas: Durch das Calciumcarbonat werden die Nester verklebt. Das Ganze härtet aus. Und dann geht es in die Müllverbrennungsanlage“, erklärt der Schädlingsbekämpfer, der seit 1991 bei der Firma Kottmeyer beschäftigt ist. 2018 sei der Eichenprozessionsspinner vor allem im Raum Rheine auftreten. „In diesem Jahr haben wir auch hier das Problem. Je milder der Winter, desto besser vermehren sie sich“, sagt Jörg Küpper.

Eichenprozessionsspinnern den Kampf angesagt

Vier Schädlingsbekämpfer sind bei Kottmeyer in Harsewinkel im Einsatz. Während sie normalerweise mit größeren Schädlingen wie Mäusen, Ratten oder Kakerlaken zu tun haben, beschäftigen sie sich derzeit verstärkt mit den Nestern der bis zu 3,5 Zentimeter großen Raupen. Im ganzen Kreis Gütersloh haben sie den Eichenprozessionsspinnern den Kampf angesagt. Drei bis zehn Termine pro Tag, je nach Aufwand – das ist derzeit normal. „Hin und wieder unterstütze ich auch die Kollegen der Kottmeyer-Niederlassung in Emsdetten“, sagt Jörg Küpper.

„Die Nester sollte man möglichst nicht selbst entfernen“

Am Donnerstag in Gütersloh ist es für den Schädlingsbekämpfer ein Leichtes, die Nester zu entfernen, „Hier haben wir heute nur kleine Nester. 2018 hatte ich es in Rheine mit einem drei Meter langen Nest zu tun, so groß wie ein Oberschenkel“, sagt Küpper. Und überall, wo sich Menschen aufhalten, müssen die Schädlingsbekämpfer mit ihren Saugern ran. An manchen Eichen entdeckt Küpper nur ein Nest, an anderen sind es auch schon mal bis zu 30. Je nachdem, wie viele es sind, braucht er mal nur fünf Minuten für die Beseitigung oder aber bis zu vier Stunden. Saison haben die Eichenprozessionsspinner bis Ende Juli, Anfang August. „Dann werden sie zu Faltern – und sind dann ungefährlich“, weiß der Experte. Und er rät: „Die Nester sollte man möglichst nicht selbst entfernen – das ist zu gefährlich.“

Mit  Haushaltsstaubsauger kommt man nicht weit

Mit einem Haushaltsstaubsauger komme man nicht weit, da müsse schon die Industrievariante ran. Früher seien die Eichenprozessionsspinner von Privatleuten an den Bäumen abgefackelt worden. „Das ist sehr gefährlich. Durch die Thermik werden die Haare aufgewirbelt. Außerdem besteht natürlich Brandgefahr.“ Auch Haarspray und Zuckerwasser würden nicht helfen. „Da muss man schon Wasserglas einsetzen.“ Küpper fährt mit dem Hubwagen wieder hoch und begutachtet die nächste Eiche. Der Sauger brummt – das nächste Nest ist verschwunden. Der Auftrag an der Hülsbrockstraße in Gütersloh ist erledigt. Auf geht‘s zum nächsten Auftrag.

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