Scherf: Im Alter nicht allein leben



Enniger (ak) - Henning Scherf ist 75 Jahre alt und sprüht vor Energie. Am Donnerstagabend hat er mit seinem Vortrag zum Thema „Wohnformen im Alter“ das Publikum in der Wassermühle Enniger in seinen Bann gezogen.

Vor dem Auftritt nahm sich der ehemalige Bürgermeister von Bremen Zeit für einen persönlichen Plausch mit dem Publikum. Für die Fördervereine des Hauses St. Marien am Voßbach Enniger und des St.-Christophorus-Hauses Ennigerloh begrüßten Marion Schmelter und Heinz Aufderheide ihren Gast aus dem Norden.

Wege finden, mit anderen zusammen zu leben

Henning Scherf riet seinen rund 100 Zuhörern, im Alter nicht allein zu bleiben. „50 Prozent der Wohnungen und Häuser werden von nur einer Person bewohnt“, zitierte er die Statistik und forderte dazu auf, Wege zu finden, mit anderen zusammen zu leben.

Wohngemeinschaft „tolle Erfahrung“

Wie das gelingen kann, zeigte er anhand seiner eigenen Wohngemeinschaft auf, in der zehn Personen unterschiedlichen Alters in einem Haus wohnen. Dazu gehörten sechs Senioren sowie vier Schüler und Studenten. „Das ist eine tolle Erfahrung“, schwärmte der 75-Jährige. Jeder habe seine eigene Wohnung, es gebe aber auch Gemeinschaftsräume. Die Türen stünden immer offen für Gespräche und Hilfeleistungen. „Auch für das hohe Alter haben wir vorgesorgt und uns um einen Pflegedienst gekümmert, der bei uns einziehen kann“, berichtete der Referent. Anregungen suchen, etwas zu tun haben, sich aktiv einbringen und neugierig bleiben – nur so könne man im Alter glücklich sein.

Singen hilft sehr

Sehr geholfen habe ihm auch der Chorgesang nach 55-jähriger Pause. Als Präsident des Deutschen Chorverbands betreut Scherf heute 2,5 Millionen Sänger. Eine große Lebenshilfe sei auch das Malen. Den Besuchern riet er, etwas Neues auszuprobieren. „Dann wird sich das Leben zum Positiven ändern.“ Auch die Hospizarbeit könne eine Bereicherung sein, als Sterbebegleiter erhalte man viel zurück. „Einfach da sein, Zeit haben, gar nicht viel reden.“ Schon die Anwesenheit sei sehr hilfreich. Von seinen Kindern sei er anfangs als postpubertierender Romantiker belächelt worden. Doch heute werde das Leben in der Wohngemeinschaft akzeptiert.

Bürgermeister sagt Unterstützung zu

In der Diskussion ging es um Umbauten alter Häuser für Wohngemeinschaften. „Sprechen Sie Ihren Bürgermeister an“, sagt Scherf – und aus der letzten Reihe sicherte Berthold Lülf seine Unterstützung zu.

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