Schützenwesen vorerst kein Weltkulturerbe



Werl (gl) - Das historische Schützenwesen zählt vorerst nicht zum immateriellen Weltkulturerbe. Das Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission stellte den Antrag zurück. Sie rügt die Haltung des Verbands im Fall des muslimischen Schützenkönigs in Werl.  

Mithat Gedik, Schützenkönig aus Werl-Sönnern (Kreis Soest) ist 2014 Schützenkönig geworden. Am Bezirkskönigsschießen durfte er allerdings nicht teilnehmen - weil er kein Christ ist.

Dem Schützenkönig Mithat Gedik war die Teilnahme am Bezirksschützenfest verweigert worden, weil er nicht dem christlichen Glauben angehört.

Die Deutsche Unesco-Kommission und die Kultusministerkonferenz begründen die Rückstellung des Vorschlags wie folgt: „Eine Betonung des historischen christlichen Gründungszwecks betroffener deutscher Schützenverbände macht für die Experten nicht einsichtig, weshalb dieser Zweck heutzutage durch religiöse Öffnung gefährdet sein sollte“, heißt es in dem Schreiben an die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen.

Grundsatz: „Achtung der kulturellen Vielfalt“

Die Unesco-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes fordert explizit die „Achtung vor der kulturellen Vielfalt“, heißt es in der Stellungnahme der Unesco weiter. Dieser Anspruch gelte unabhängig von Geschlecht, Religion, Sexualität oder Herkunft. Wichtig sei den Experten gewesen, dass jeder und jede Interessierte an einer Tradition und Wissensform teilnehmen könne. Dieses Kriterium könne nur dann eingeschränkt werden, wenn es der Kern einer Tradition rechtfertige.

Von dem in dem Schreiben gebrauchten Zitat „biodeutsche Maßstäbe“ distanziert sich die Deutsche Unesco-Kommission nachdrücklich. Sie sei unangemessen und ihre Verwendung höchst bedauerlich.

Überarbeitung bis 30. April

Das Expertenkomitee hat die Bewerber ausdrücklich zu einer Überarbeitung der Bewerbung eingeladen: Wenn diese bis zum 30. April vorliegt, wird der Vorschlag voraussichtlich auf der Herbstsitzung 2015 und damit unabhängig vom zweiten Auswahlverfahren vom Expertenkomitee begutachtet.

Stellungnahmen stehen noch aus

Die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen und der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften waren bis zum Dienstagnachmittag zunächst für Stellungnahmen nicht erreichbar.

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