Schwarze Null ist zum Greifen nah



Warendorf (kvs) - Sparen, das sei die goldene Mitte zwischen Geiz und Verschwendung, hat Theodor Heuss gesagt. Diesen Balanceakt zwischen großen Wünschen und knappen Kassen zu bewerkstelligen, das ist das tägliche Brot vieler Kommunen, zweifelsohne auch das der Warendorfer Verwaltung.

Aber es geht aufwärts. Diesen Eindruck erweckte zumindest der Beigeordnete und Kämmerer Dr. Martin Thormann während der jüngsten Ratssitzung. Auch wenn sich die Entwicklung der Gewerbesteuer „stets äußerst schwierig prognostizieren“ lasse, gehe man „unter Einbeziehung derzeit aktueller Sachstände“ davon aus, dass der Haushaltsansatz von 14,7 Millionen Euro in diesem Jahr um bis zu eine Million überschritten wird.

Auch beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer geht man von 500 000 Euro mehr als ursprünglich angenommen aus. Mit Blick auf die Umsatzsteuer wird es allerdings wohl bei den zugrunde gelegten 1,4 Millionen Euro bleiben. 40 000 Euro über dem Ansatz bewegen sich außerdem die Einnahmen aus der Vergnügungssteuer. Und so kommt eins zum anderen. Ein Mehrertrag von 20 000 Euro im Produkt der Tageseinrichtungen für Kinder, von 40 000 Euro bei Erstattungen des Landes für Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz, 15 000 Euro weniger Entgelte als angenommen im Bereich Brandbekämpfung und andere: Mitunter sollte in der Kämmerei eigentlich Freude herrschen über so manche Zahl – wären da nicht auf der anderen Seite unvorhergesehene Ausgaben, die getätigt werden müssen.

So musste man beispielsweise Obdachlosenunterkünfte einem Elektro-Check unterziehen, der Ansatz für Lehrmittel der Gesamtschule war nicht hoch genug gesteckt, und die Personalkosten sind nach dem jüngsten Tarifabschluss gestiegen. Zuletzt ist auch noch der Bahnübergang im Bereich des Restaurants Allendorf in Neuwarendorf deutlich teurer geworden als gedacht („Die Glocke“ berichtete). Welchen Anteil die Stadt von den 440 000 Euro übernehmen muss, wird sich noch herausstellen. Dafür ist wiederum die Drehleiter für die Feuerwehr 200 000 Euro günstiger als gedacht.

Alles in allem kann der Kämmerer zufrieden sein. Vor wenigen Tagen wies die Stadtkasse – auch bedingt durch den Steuerhebetermin Mitte August – einen positiven Bestand an liquiden Mitteln von etwa 5,5 Millionen Euro aus. „Wenn es so weiter läuft, sind wir von einer schwarzen Null so weit nicht mehr entfernt“, sagt Thormann.

Ging die Verwaltung im Haushaltsplan noch von einem Fehlbetrag in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro aus, ist nunmehr sogar ein ausgeglichener Haushalt im Bereich des Möglichen. „Treibende Kräfte dieser positiven Entwicklung sind einerseits die sprudelnden Steuerquellen, andererseits die verringerte Aufnahme eventuell notwendiger Kassenkredite und die damit im Zusammenhang stehenden niedrigeren Zinskosten“, schreibt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Zusammen mit weiteren Einsparungen und Ertragserhöhungen könne „das wünschenswerte Ziel des Haushaltsausgleichs zum Jahresende durchaus erreicht werden“.

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