Serenade ist ein Festauftakt nach Maß



Warendorf (wst) - Mit seiner Serenade hat der Bürgerschützenverein das Schützenfest eröffnet. Allein die Nennung und Begrüßung der lokalen Prominenz sowie der Formationen durch Präsident Hermann-Josef Vinke nahm eine Viertelstunde in Anspruch – ein Zeichen der Wertigkeit der Veranstaltung.

Die Grußworte der Stellvertretenden Bürgermeisterin Doris Kaiser, die launige Verlesung eines Protokolls der Versammlung des Offiziers-Korps durch Holger Niemeyer und die Damenrede, gehalten von Radio-WAF-Chefredakteur Frank Haberstroh, zeugten von der gesellschaftlichen Anerkennung des Vereins in der Stadt. Präsident Vinke, gleichzeitig auch Frauenbeauftragter, erinnerte daran, dass 1863 lediglich zwei, heute aber mehr als 100 Frauen Mitglied bei den Bürgerschützen seien. Somit habe sich der Frauenanteil verfünfzigfacht und die Frage nach einer organisierten femininen Gruppierung stelle sich „nun wirklich nicht“. In Sachen Damengarde werde sich nichts ändern.

Selbstironie und feine Stiche

Traditionell wird bei der Serenade ein Blick ins Archiv gewagt. So wartete Holger Niemeyer mit der Verlesung eines besonderen Protokolls auf, geprägt von Selbstironie und feinen Stichen gegen die anderen Formationen. „Das Offiziers-Korps ist der Träger des Bürgerschützenfests. Denn bei uns ist einer träger als der andere.“ Doris Kaiser überbrachte die Grüße von Rat und Verwaltung. „Sie bereichern das Stadtbild, sind mit den Bürgern und dem Heimatfest Mariä Himmelfahrt fest verbunden und würdigen so die Stadt, die wir lieben. Ihr Engagement zeigt frohes Treiben – Eindrücke, die ewig bleiben.“ Die Beförderungen und Ehrungen von Jubilaren rundeten die Serenade ab, bevor Frank Haberstroh mit seiner Damenrede einen fulminanten Schlusspunkt setzte.

Damenrede von Radio-WAF-Chefredakteur Frank Haberstroh

Die Damenrede von Radio-WAF-Chefredakteur Frank Haberstroh war erfrischend kurz, knackig und unterhaltsam. Zwei Aspekte prägten seine Sicht der Dinge auf die Weiblichkeit: Zum einen machte er sich Gedanken darüber, was die Frauenwelt 1983 für Zukunftsvisionen gehabt haben mochte, zum anderen, was sie wohl in zehn Jahren erwartet. Dabei unterlegte er seine Ausführungen mit Zitaten, zum Beispiel von Heinz Erhardt. Der hatte festgestellt, dass „Frauen die Juwelen der Schöpfung sind, man muss sie mit Fassung tragen“. Burt Reynolds wusste, dass „Frauen wehrlos sind, solange der Nagellack noch nicht trocken ist“. Wer habe 1983 daran geglaubt, so Haberstroh, dass eine „Mutti“ Bundeskanzlerin würde, eine gewisse Cindy aus Marzahn Assistentin bei „Wetten, dass . . .“ und die Fußballfrauen eine Europameisterschaft nach der anderen gewännen? Oder dass man via Mobiltelefon Fotos vom neuen Schützen-Thron machen, SMS mit aktuellen Interna verschicken, ein Video vom Königsschuss bei Youtube hochladen und via Facebook oder Whats-App wichtige Fragen klären kann. Beispielsweise: „Welches Kleid ziehst du heute an?“

Kaiserliche Bürgermeisterin

Und wie wird das in zehn Jahren aussehen? Haberstroh kennt die Antwort: „Eine Damenkompanie der Bürgerschützen wird dann angeführt von der kaiserlichen Bürgermeisterin der Stadt in einer Polonaise über die verkehrsberuhigte B 64 zum Festplatz ziehen, wo die erste Bürgerschützenkönigin den Vogel von der Stange holen wird. Bei der vorangegangenen Serenade wurde zuvor eine mehr oder minder witzige Herrenrede gehalten“, malte er den Männern grausige und den Frauen herrliche Zeiten aus. „Wenn nicht, dann ist irgendetwas schief gelaufen – das kann schon mal passieren in Westfalen. Heben wir das Glas auf das Beste was wir haben: auf die Warendorfer Damen“, beendete Haberstroh seine gelungene Laudatio auf das weibliche Geschlecht.

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