Show-Klassiker „Dalli Dalli“ wird 50


Berlin (dpa) - Wenn Prominente wie Roberto Blanco oder Udo Jürgens Luftballons in einer Schubkarre transportierten, dann war man bei „Dalli Dalli“. Die Sendung hat in den 1970er-Jahren TV-Geschichte geschrieben. Am 13. Mai 1971 wurde die erste Show ausgestrahlt.

Entertainer Hans Rosenthal und Jurymitglied Brigitte Xander in einer Ausgabe der Fernseh-Ratesendung „Dalli Dalli“, die erstmals am 13. Mai 1971 ausgestrahlt wurde. Foto: dpa

„Sie sind der Meinung: Das war - Spitze!“ Die Luftsprünge von Hans Rosenthal bei „Dalli Dalli“ sind Millionen vor Augen. Der Publikumsliebling machte die ZDF-Show zum Riesenerfolg.

Mutig und rebellisch

„‘Dalli Dalli‘ gehört vielleicht zu den am meisten unterschätzten Unterhaltungsshows der deutschen TV-Historie“, sagt Fernsehkritiker Oliver Kalkofe. „Vielleicht, weil sie nicht am Premium-Samstag um 20.15 Uhr, sondern ‚nur‘ am Donnerstag um 19.30 Uhr lief - damals das Astrazeneca unter den Entertainment-TV-Terminen.“

Dabei sei „Dalli Dalli“ durchaus mutig und rebellisch gewesen, betont Satiriker Kalkofe. „Denn es war die erste Sendung ihrer Art, die sich traute, einfach nur verspielt und albern zu sein. Kein verkopftes Abfragen von Schulbuchwissen, um dem Bildungsbürgertum zu gefallen, und keine künstliche Ernsthaftigkeit, sondern simple Spiele mit dem einzigen Ziel, zu unterhalten.“ Das deutsche Fernsehen habe Rosenthal „mehr zu verdanken, als uns wahrscheinlich bewusst“ sei.

Rosenthal war Mann des Volkes

Der Berliner Rosenthal (1925-1987) hatte vor „Dalli Dalli“ schon als Radio-Unterhalter beim Rias Karriere gemacht. Er hatte etwa „Das klingende Sonntagsrätsel“ moderiert, das es als „Sonntagsrätsel“ bei Deutschlandfunk Kultur noch heute gibt. 

Radiomann Ralf Bei der Kellen ist der dritte Moderator in Nachfolge Rosenthals. Er sagt über die TV-Legende: „Er war immer ganz bei seinem Publikum. Oft mehr, als er bei seinen Kandidaten war. Er scheint mit jedem Satz, mit jeder Geste zu sagen: Ich bin einer von Euch.“

Stars als Menschen präsentiert

Die Spiele waren extrem abwechslungsreich. So sind in der allerersten Sendung die Schauspieler Lilo Pulver und Fritz Eckhardt noch recht lässig anzusehen, als es darum geht, zehn Länder außerhalb Europas aufzuzählen. Als sie aber 15 verschiedene Glühlampen in genau so viele verschiedene Fassungen schrauben sollen, sind sie mit ihrem Latein schnell am Ende. 

„Hans Rosenthal hat es fast immer geschafft, die Stars als Menschen zu präsentieren“, schildert Bei der Kellen. Da hätten Roberto Blanco oder Udo Jürgens dann eben nicht gesungen, sondern Luftballons in einer Schubkarre transportieren müssen.

„Das war Spitze!“ als Wiedererkennungsmerkmal

Viele sehen den Showmaster vermutlich auch vor sich, wie er bei Bestleistungen der Kandidaten hochsprang und mit dem Publikum „Das war Spitze!“ rief. Wer aber genau hinhört, entdeckt oft tagespolitische Anspielungen. Rosenthals Tochter Birgit über die Überzeugungen des Showmasters: „Mein Vater war ein politisch interessierter und gut informierter Mensch, der auch Stellung bezog, wenngleich niemals in einer Partei.“Beliebt beim Publikum: Hans Rosenthal. Foto: dpa

Hans Rosenthal hatte seine Eltern früh verloren und die Judenverfolgung in einem Versteck in einem Berliner Kleingarten überlebt. Mehrere Mitglieder seiner Familie waren im Holocaust ermordet worden. Als die Programmplaner 1978 darauf bestanden, dass er am 9. November, dem 40. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, seine Show moderieren musste, setzte der Gastgeber auf stillen Protest: Er trug Schwarz.

Rosenthal stirbt 1987

Rosenthals großes Herz hörte im Februar 1987 auf zu schlagen. Mit ihm starb das Original von „Dalli Dalli“. Spätere Anläufe, das Konzept wieder an den Start zu bringen, währten nicht lange. Am 15. Mai um 20.15 Uhr gibt es zum Geburtstag im ZDF „Die große Jubiläumsshow“.

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