Sparkasse: Jörg Hoffend zieht Bilanz



Gütersloh (din) - „Eine in mehrfacher Hinsicht besondere Pressekonferenz“ hat die Sparkasse Gütersloh-Rietberg nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Jörg Hoffend (59) am Freitag abgehalten. Zum letzten Mal gab es getrennte Zahlen für die beiden zum 1. Januar fusionierten Geldinstitute. Und zum letzten Mal führte Hoffend dabei Regie.

Der Vorstand der fusionierten Sparkasse: (v. l.) Kay Klingsieck, Heinz Hüning, Jörg Hoffend (Vorsitzender) und Frank Ehlebracht (stellvertretendes Mitglied) vor der Gütersloher Zentrale.

Die Sparkasse und Hoffend trennen sich zum Jahresende, weil laut Verwaltungsrat „das wechselseitige Vertrauen nicht mehr bestehe“. Der Vorstoß des Verwaltungsrats sei für ihn „überraschend“ gewesen, sagte Hoffend, der sich erstmals öffentlich dazu äußerte. Bis Ende September werde er im operativen Geschäft bleiben, sagte Hoffend. Er wolle den Fusionsprozess bis dahin weiter vorantreiben.

Zu den Trennungsgründen „will ich den Deckel draufhalten“, sagte Hoffend. Die Fusion sei auch für ihn ein Anlass gewesen, über seine Zukunft nachzudenken. Seit 2008 ist der 59-Jährige Vorstandschef in Gütersloh, zuvor war er Chef der Kreissparkasse Halle.

„Die Entwicklung der Sparkasse in den vergangenen Jahren unter meiner Führung ist eine Erfolgsstory“, sagte Hoffend. Sie sei das Ergebnis der guten Zusammenarbeit im Vorstandsgremium und der engagierten Mitarbeiter. Dazu gehöre auch eine stetige Steigerung des Eigenkapitals. Jetzt gehe es darum, die Fusion voranzutreiben. Nach der rechtlichen Vereinigung sei die technische Fusion am 20. August der nächste Meilenstein. Dann werden die Daten der fusionierten Sparkassen zusammengeführt.

„Es wird keinerlei betriebsbedingte Kündigungen geben durch den Fusionsprozess“, versicherte Hoffend. Das bedeute indes nicht, dass keine Arbeitsplätze abgebaut würden. „Eine Fusion ist nur dann sinnvoll und erfolgreich, wenn wir versuchen, noch effizienter zu werden als jedes Haus für sich“, sagte der scheidende Chef. Wo Aufgaben doppelt erledigt würden etwa im regulatorischen Bereich, müsse man dies überprüfen. Man wolle den Mitarbeitern Angebote machen, wozu auch eine Reduzierung der Arbeitszeit gehören könne.

Vorstandsmitglied Kay Klingsieck (38) sagte: „Uns ist die Kundennähe sehr wichtig. Wir werden auch Ende des Jahres noch 22 Geschäftsstellen haben.“ Die Mitarbeiter würden in der jetzigen Situation „sehr professionell“ reagieren.

Befragt zur Fusionsdebatte im Kreis Gütersloh, sagte der Rietberger Vorstand Heinz Hüning (63), der ebenfalls Ende September ausscheidet: „Wir beobachten das sehr aufmerksam. Wir haben aber erst eine große Aufgabe in Gütersloh zu bewältigen. Andere Entscheidungen müssen wir den Trägern überlassen.“

Sparkasse Gütersloh

Das Umfeld für Banken bleibt schwierig. Die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank, anhaltender Regulierungsdruck, ein verändertes Kundenverhalten und die Digitalisierung fordern die Sparkassen heraus. In diesem schwierigen Umfeld ist die Sparkasse Gütersloh 2016 weiter gewachsen. Treiber war nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Jörg Hoffend das Kreditgeschäft.

Die durchschnittliche Bilanzsumme stieg gegenüber 2015 um 2,7 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro. „Unsere Bilanzsumme ist nicht aufgebläht, sondern spiegelt das Kundengeschäft wider“, betonte Vorstandsmitglied Kay Klingsieck. Die Einlagen stiegen um 7 Prozent auf 1,51 Milliarden Euro. Dabei setzten die Kunden verstärkt auf kurzfristige Verfügbarkeit.

Die Kreditsumme wuchs um 6 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. „Die Kundenkredite spiegeln die gute wirtschaftliche Entwicklung wider“, sagte Hoffend. Neu vergeben wurden 286,2 Millionen Euro, etwas weniger als im Rekordjahr 2015.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung beträgt 1,07 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. Das sei mehr als im Sparkassen-Schnitt (0,98 Prozent) und mehr als bei vergleichbaren Sparkassen, sagte Hoffend. Das Betriebsergebnis nach Bewertung betrage 1,05 Prozent (Schnitt: 0,85 Prozent). Fazit: „ein hervorragendes Jahr für die Sparkasse Gütersloh“. Das Ergebnis vor Steuern beträgt 7,61 Millionen Euro. Als Bilanzgewinn werden wie im Vorjahr erneut knapp 2 Millionen Euro ausgewiesen.

2015 war im Geschäftsbericht zum Jahresende von 395 Mitarbeitern inklusive Auszubildenden die Rede. Jetzt werden im Jahresschnitt für 2016 368 Mitarbeiter genannt, mithin 27 weniger.

In den nächsten drei Jahren soll die Hauptstelle am Konrad-Adenauer-Platz für rund fünf Millionen Euro energetisch saniert und auch architektonisch auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden. Die Gebäude stammen von 1969 und 1971.

Sparkasse Rietberg

Zum 1. Januar haben die Sparkassen Gütersloh und Rietberg fusioniert. Am Freitag fuhren die Vorstände Heinz Hüning (63) und Frank Ehlebracht (53, jetzt stellvertretendes Mitglied) in die Kreisstadt. In der Zentrale berichteten die Banker über das letzte Geschäftsjahr 2016 der eigenständigen Sparkasse Rietberg.

„Wir sind der kleine Bruder der Sparkasse Gütersloh“, sagte Hüning, als er die Zahlen vorstellte. Die durchschnittliche Bilanzsumme wuchs um 2,3 Prozent auf 427,1 Millionen Euro. Besonders stark legten die Kundeneinlagen zu, nämlich um 9,7 Prozent auf 339,4 Millionen Euro. Das sehe man „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Hüning. Auf der einen Seite freue man sich über das Vertrauen der Kunden. Auf der anderen werde auch die Sparkasse Rietberg für neues Geld mit Strafzinsen in Höhe von 0,4 Prozent belegt.

Das Kreditvolumen stieg zum Stichtag 31. Dezember 2016 um 2,4 Prozent auf 262,9 Millionen Euro. 54,2 Millionen Euro wurden an Krediten neu vergeben (plus 12,4 Prozent), davon 22 Millionen an private und 32 Millionen an gewerbliche Kunden. „Wir haben investitionsfreudige Unternehmen“, sagte der Vorstand.

Um einen Euro zu verdienen, musste die Sparkasse Rietberg im vorigen Jahr 74 Cent aufwenden (2015: 72 Cent). Zum Vergleich: Bei der Sparkasse Gütersloh waren es zuletzt 62 Cent. „Wir bekommen die Kosten in unserem kleinen Haus nicht mehr runter“, sagte Hüning. Fachabteilungen könne man nicht einfach reduzieren. Das sei ein Grund für die Fusion, so der Vorstand.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung sank von 0,78 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme auf 0,67 Prozent, nach Bewertung von 0,62 auf 0,60 Prozent. Als Betriebsergebnis vor Steuern weist die Sparkasse Rietberg 0,49 Millionen Euro aus (Vorjahr 1,2 Millionen Euro). Als Bilanzgewinn hingegen wegen einer Steuererstattung 0,64 Millionen Euro (Vorjahr 0,52 Millionen Euro).

200 000 Euro zahlte das Geldinstitut an Gewerbesteuern. 338 000 Euro wurden für Sponsoring ausgegeben. Jeweils 100 000 Euro bekamen der Landesgartenschau-Park und der Veranstalter Kulturig.

Die Zahl der Mitarbeiter sank leicht von 94 auf 89, darunter fünf Auszubildende. Am Freitag wurde in Gütersloh erneut versichert, dass es weder fusionsbedingte Kündigungen noch Filialschließungen (bis Jahresende) geben werde.

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