Spickzettel beendet Polizeikarriere



Rheda-Wiedenbrück (sud) - Weil er bei einer Klausur geschummelt haben soll, steht ein Rheda-Wiedenbrücker vor den Trümmern seiner Polizeikarriere. Das Verwaltungsgericht Minden hat der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in einem am Montag getroffenen Urteil Recht gegeben.

Getrickst: Weil er bei einer Prüfung geschummelt haben soll, steht ein Mann aus Rheda-Wiedenbrück vor dem Aus seiner Polizeiausbildung. Ein Spickzettel wurde ihm zum Verhängnis.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann bei der Theorieprüfung im September 2016 getrickst hatte. Eben das hatte der Student der Fachhochschule stets abgestritten und die Bewertung seiner Klausur mit „nicht ausreichend“ angefochten.

Keine dritte Chance für Klausur

Nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts bleibt es dabei, dass der Mann seine Karriere bei der Polizei an den Nagel hängen muss, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Durch die besagte Prüfung im Bereich Strafrecht war der Ordnungshüter in Spe nämlich schon einmal gerasselt. Beim zweiten Versuch hatte er dann – davon sind die Richter überzeugt – die Lösungen von einem Spickzettel abgelesen. Ein drittes Mal wird der gescheiterte Kläger die Klausur nicht schreiben dürfen, das sieht die in Modulen aufgeteilte Polizeiausbildung des Landes NRW nach Angaben von Gerichtssprecherin Vivienne Bock nicht vor.

Gericht glaubt Kläger nicht

Der Rheda-Wiedenbrücker hatte ausgesagt, dass er während der Prüfung seine Tasche auf Verlangen der Aufsichtsperson vom Tisch fortgestellt habe. Dabei sei die Tasche umgekippt und der Zettel, den er zuvor lediglich zum Lernen benutzt habe, herausgefallen. Das Verwaltungsgericht glaubte ihm nicht: Allein der Umstand, einen Spickzettel in den Prüfungsraum mitzunehmen, sei ausreichend, um eine Klausur als „nicht ausreichend“ zu bewerten.

Viel wahrscheinlicher als die Version des Klägers sei zudem die Variante, dass ihm der Spickzettel unbemerkt aus der Hosentasche geglitten sei. Dafür spreche auch der Auffindeort des eng beschriebenen Papiers: Die Aufsicht hatte den Zettel unter dem Tisch des Prüflings entdeckt. Ein weiterer Umstand, der aus Sicht der Richter den ehemaligen Polizeidienstanwärter unglaubwürdig erscheinen lässt, ist, dass seine Leistungen nach dem Spickzettel-Fund im weiteren Verlauf der Klausur signifikant schlechter geworden seien.

Der Kläger hat jetzt einen Monat Zeit, die Zulassung zur Berufung vorm Oberverwaltungsgericht Münster zu beantragen.

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