Sprachtalent: Deutsch ist kein Problem



Sassenberg (dor) -  Grammatik, Wortschatz, Hörverstehen und Sprechen – Wer schon einmal eine fremde Sprache zu erlernen versucht hat, weiß, dass dieses Unterfangen ein lebenslanger Prozess sein kann. Im Gegenzug gibt es andere, die regelrechte Naturtalente sind. So auch die zehnjährige Rohan Jamo.

Obwohl das syrische Mädchen aus Aleppo mit ihrer Familie erst seit zehn Monaten in Deutschland weilt, hat sie mit der Verständigung heute kaum noch Probleme. Sie besucht derzeit die Klasse 4a der Johannesschule, wo sie, wie ihre Klassenkameraden, ganz normal am Unterricht teilnimmt. Allerdings muss sie noch nicht das Lernziel der Klasse erreichen. Wie Rektorin Maria Erdmann berichtet, erhalte Rohan Jamo parallel zum Unterricht eine sogenannte Erstförderung zum Erlernen der deutschen Sprache.

Diese Erstförderung kommt der Schulleiterin zufolge allen zur Schule gehenden Flüchtlingskindern zugute. Sie sei auf zwei Jahre angelegt und umfasse in der Regel zehn Unterrichtsstunden Deutsch pro Woche. Durchgeführt werde der Unterricht jeweils von ausgebildeten DAZ (Deutsch als Zweitsprache)-Lehrern, die bei ihrer Arbeit von zusätzlichen Sprachhelferinnen unterstützt werden.

Kleine Gruppen, schnelles Lernen

„Die Gruppen bestehen aus maximal vier Kindern. Sie sind bewusst klein gehalten, damit die Kinder viel zum Sprechen gebracht werden“, erläutert Erdmann das Konzept. Sie ist von der positiven Wirkung dieser Maßnahme, nicht nur wegen Rohans erlebbaren Fortschritten, überzeugt. „Die Politik hat hier sehr schnell reagiert“, lobt sie und hebt in diesem Zusammenhang auch das „super Zusammenspiel von Schulträger, Ehrenamtlichen und Schule“ hervor.

Wie begründet sie nun Rohans schnellen Lernerfolg? Liegt es am Alter, lernen Kinder schneller als Erwachsene? „Eine Art der Begabung ist bei jedem Spracherwerb wichtig“, sagt die Grundschulrektorin. Aber auch die Motivation, der Wille zum Lernen spiele, wie auch das stimmige Umfeld, eine große Rolle. Man müsse immer berücksichtigen, ob eventuell Traumata vorlägen, die das Lernen in irgendeiner Form behindern könnten.

Laut Erdmann ist es sicherlich nicht von Nachteil, wenn man eine Sprache in jüngeren Jahren erlernt. „Ich kenne aber auch genügend Erwachsene, die das in kürzester Zeit geschafft haben“, berichtet die Schulleiterin.

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