Spuren von Güterslohs ältestem Haus entdeckt



Gütersloh (dop) - Jetzt ist es amtlich: Stadtarchäologe Johannes W. Glaw und sein ehrenamtliches Team haben zusammen mit Archäologen des Landschaftsverbands (LWL) am Alten Kirchplatz Spuren des bisher ältesten Gebäudes Güterslohs entdeckt. Im Haus Nr. 11 wurden Pfostenlöcher aus dem 12. Jahrhundert freigelegt.

Stadtarchäologe Johannes W. Glaw – hier vor einem der im Keller vom Haus Nr. 11 am Kirchplatz entdeckten Pfostenlöcher – mit einer Zeichnung der Lage des wohl ältesten Gütersloher Hauses.

 Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen, bestätigte, dass bei der aktuellen Sanierung des Hauses Nr. 11 im Keller Pfostenlöcher  entdeckt worden sind, die ein früheres Gebäude belegen, das „noch vor der nebenan errichteten ersten Steinkirche St. Pankratius von 1201, also der heutigen Apostelkirche“ existiert hat. Eine kleine Sensation.

Wie die „Glocke“ bereits Anfang April ausführlich berichtete, hatte Glaw nicht nur glasierte und bunt bemalte Keramikscherben, sogenannte Werra-Ware aus dem 17. Jahrhundert, 152 Tierknochen, 6 (Pferde-)Zähne und 37 Stücke von alten Tonpfeifen gefunden, sondern auch drei Teile von seltenen Kugeltöpfen, die man im 11. und 12. Jahrhundert übers Feuer hing.  Insgesamt sind mittlerweile rund 1000 Fragmente aus 15 Generationen, die in der Vergangenheit am Kirchplatz gelebt haben, geborgen worden.

„Ein toller Erfolg für die Mitglieder des archäologischen Arbeitskreises“, zeigt sich Glaw als Grabungsleiter mehr als zufrieden. „Das beweist, dass Gütersloh keineswegs geschichtslos ist.“

Zunächst hatte das Grabungsteam den Bauhorizont für das heute noch stehende Fachwerkhaus aus der Zeit um 1660 freigeschaufelt. Dabei kamen außen den Schieferplatten des ersten Dachs auch Reste mittelalterlicher Glasfenster und eine Mörtelgrube zum Vorschein, die offensichtlich einst von den Bauleuten für das Aufmauern der Kellerwände angelegt worden war.

Richtig interessant wurde es für die Archäologen, als sie entdeckten, dass die Mauer des historischen Kirchhofs im Keller des Hauses als Wand verbaut worden war. Und noch tiefer im Boden entdeckten sie schließlich bei ihren sorgfältig, Schicht um Schicht erfolgten Freilegung Pfostenspuren eines Baus aus dem 12. Jahrhundert:  Vier kreisrunde Löcher verweisen eindeutig darauf, dass dort einst Pfähle steckten, die das Dach eines Holzhauses trugen. Solche Pfostenbauten wurden im Lauf des 12. Jahrhunderts von Fachwerkbauten als Wohnhäuser abgelöst. Somit war das Grabungsteam auf Zeugnisse aus einer Zeit lange vor der frühneuzeitlichen Parzellierung der Grundstücke gestoßen.

Interessant ist auch, dass sich dieses frühe Gebäude in seiner Rekonstruktion von der später üblichen Ausrichtung abhebt. Ein weiteres Indiz dafür, dass es älter sein muss, als alles, was sonst am Kirchplatz steht.

Wie es mit den Forschungen am Alten Kirchplatz weitergeht und wie der Bauherr, Architekt Hans Mertens, die archäologischen Entdeckungen für die Öffentlichkeit erhalten möchte, lesen Sie in der „Glocke“ vom 22. Juni.

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