Spurensicherer drei Tage am Tatort



Rietberg-Westerwiehe (gdd) - Ein Tatortbeamter im Westerwieher Mordprozess hat am 13. Verhandlungstag vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts Bielefeld ausgesagt: „Wir haben viele Spuren in der Umgebung gefunden. Wir brauchten dafür drei Tage. In der Regel reicht bei einem Mordfall einer.“

Gefunden hat der Zeuge, der als Mitglied der Mordkommission „Lippling“ tätig gewesen ist, in einem Feld mit Grünbewuchs mehrere Kabelbinder. Bereits andere Zeugen haben über die weißen Kunststoffstränge ausgesagt, die in einem Gütersloher Baumarkt von den Tatverdächtigen erworben worden sein sollen. Mit den Plastikteilen, die auch in der polizeilichen Praxis als Fesseln benutzt werden, verschnürte einer der drei maskierten Verbrecher am 3. November 2015 den 64-jährigen Heinz S. im Wohnzimmer des Hauses, in dem er mit seinem jüngeren Bruder gelebt hatte. Heinz W. ist erwürgt, sein Bruder schwer verletzt worden. Nach wie vor schweigen die zwei Angeklagten zum Tathergang. Der mutmaßliche dritte Beteiligte ist auf der Flucht.

Der Tatortbeamte schilderte, wie er die Leiche des Westerwiehers vorgefunden hat: „Er lag im Fernsehzimmer, die Hände auf dem Rücken gefesselt, an den Knöcheln zusammengebunden. Das Sofa und der Teppichboden wiesen feuchte Stellen auf. Wir haben einige Teile herausgeschnitten und sichergestellt. Schranktüren standen offen, aber es sah nicht danach aus, als sei da groß herumgewühlt worden.“ Für Martin Rother, einer der Strafverteidiger, ist dieser Umstand ein wichtiger Hinweis, „dass hier etwas Unvorhergesehenes passiert ist, das nicht geplant war“. Darauf werde er noch im Gericht ausführlich hinweisen.

Immer wieder ist die Rede im Rahmen der Beweisaufnahme von jener Scheune am Nottebrocksweg in Gütersloh, die der 50-jährige Artur S. angemietet hatte. Dort wurden nicht nur gestohlene Autoteile gebunkert und verschachert, dort trafen sich die mutmaßlichen drei Komplizen auch, um die letzten Vorbereitungen für ihren Überfall in Westerwiehe zu treffen.

Dort wurde der Audi schon am Vortrag des grausigen Mords, am 2. November, beobachtet („Die Glocke“ berichtete). Daten des Peilsenders ergaben, dass der Wagen bei der Hin- und Rückfahrt jeweils die Scheune am Nottebrocksweg erreicht hatte. Wer damals den Audi gefahren hat, bleibt weiterhin offen, weil der verdächtige Artur S. schweigt. Seine Lebensgefährtin sagt, dass der Audi verliehen worden sei.

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