Stadt und Alltag in der DDR im Fokus



Gütersloh (din) - Wie viele Exponate aus der ehemaligen DDR seine Sammlung umfasst, vermag der Bielefelder Frank Foeste (58) nicht zu sagen. Das Gewicht schätzt er auf „etwas mehr als sechs Tonnen“. Ein Teil davon ist ab Sonntag im Gütersloher Stadtmuseum zu sehen.

In einer Lampe verborgen ist dieses Aufnahmegerät, das Frank Foeste im Gütersloher Stadtmuseum mit anderen Überwachungsgeräten der Stasi zeigt.  Bilder: Dinkels

 „Vergessen? – Schlaglichter auf Staat und Alltag in der DDR“ lautet der Titel der Sonderschau. Von der „spannendsten Ausstellung des Jahres“ spricht Museumsleiter Dr. Rolf Westheider. Auch in Gütersloh lebten viele Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern, die in Gütersloh sonst nicht mit der eigenen Geschichte konfrontiert würden. Anlass ist der 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August. Mit fundierten Texttafeln leiste die Ausstellung auch „einen Beitrag zur historisch-politischen Bildung“, sagt Westheider.

Foeste, der nach eigenen Angaben aus persönlichen Gründen selbst nie die DDR besuchen durfte, hat erst nach der Wende angefangen, bei Reisen in die neuen Bundesländer ihre Hinterlassenschaften zu sammeln: Propaganda-Material, Uniformen, Überwachungsgeräte der Staatssicherheit, Orden, Spielzeug, Dokumente, Büsten und auch aus heutiger Sicht skurrile Funde wie das Lexikon der russischen Obszönitäten – eine von der britischen Armee angefertigte Übersetzung von Latrinenparolen.

Außer bewegenden Fluchtgeschichten stechen aus der Sammlung besonders die teils perfiden Überwachungs- und Spionageinstrumente hervor: Fotoapparate mit Spezialobjektiven, mit denen man durch schmale Öffnungen oder seitlich aus dem Objektiv fotografieren kann, Kameras in Gießkannen und Nistkästen, Haushaltsgeräte, die sich als Waffe nutzen lassen, sowie in Lampen versteckte Aufnahmegeräte.

Die in erster Linie politische Schau zeigt auf, wie DDR-Bürger vom Kindergarten übers Spielzeug bis in das Berufsleben hinein indoktriniert und überwacht wurden. Die einzelnen Abteilungen beschäftigen sich mit den Themen wie der Staatsgründung, Flucht, der großen Politik, mit der russischen Armee und natürlich auch mit dem Ende der DDR.

Empfangen wird der Besucher im Treppenhaus von den zehn Geboten für den neuen sozialistischen Menschen, die der damalige Generalsekretär der SED, Walter Ulbricht, 1958 in Anlehnung an die biblischen Gebote verkündet hatte („Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen“). Die Sonderausstellung an der Kökerstraße ist bis zum 11. September zu sehen und wird von Einzelveranstaltungen am 1. und 8. Mai, am 17. Juni und am 13. August begleitet.

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