Stimmabgabe vor dem Altar oder im Wohnzimmer


Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Nicht jeder gibt in NRW seine Stimme in einer Schule, Gaststätte oder Rathaus ab. 

Wählen im Wohnzimmer: Das geht seit 2009 bei Familie Fabrizius aus Leverkusen. Foto: dpa

Leverkusen/Hamm/Marienmünster/Bergkamen (dpa) - Ob im Wohnzimmer, vor dem Altar oder in der Reithalle: Einige Wählerinnen und Wähler in Nordrhein-Westfalen können ihre Stimme zur Bundestagswahl am Sonntag an ganz besonderen Orten abgeben.

Seit 2009 ist Familie Fabrizius Gastgeber bei Wahlen

So verwandelt sich das Wohnzimmer von Familie Fabrizius aus Leverkusen am Sonntag in ein Wahllokal, inklusive Urne, Stimmkabine und Wahlhelfern. Seit 2009 können die Wahlberechtigten im Bezirk 344 schon im Wohnzimmer der Familie wählen. Fabrizius und seine Frau Sybille packen am Sonntag selbst als Wahlhelfer mit an. Auch auf die Corona-Maßnahmen ist das Ehepaar eingestellt: „Wer seine Maske vergessen hat, bekommt hier eine“, sagte Johannes Peter Fabrizius. „Und es geht durch die Haustür rein und die Terrassentür raus.“

In der Regel dienen Schulen, Vereinsheime und Rathäuser als Wahllokale - deutlich gemütlicher könnte die Stimmabgabe in Bergkamen bei Dortmund werden. Hier können die Menschen in uriger Atmosphäre auf der Bayernalm des Vereins „Bavaria“ über die nächste Regierung entscheiden.

Stimmabgabe mit Gottes Segen

Für die sportlichen Wählerinnen und Wähler wird in Nordrhein-Westfalen ebenfalls etwas geboten: Der Wahlbezirk 303 in Hamm wählt in einem Sportzentrum, in Blomberg (Kreis Lippe) werden die Stimmen in einer Schießhalle abgegeben und in Wickede (Kreis Soest) wartet eine Reithalle auf die Wahlberechtigten des Wahlbezirks 40.In Marienmünster erfolgt die Stimmabgabe in einer Kapelle. Foto: dpa

Seelischen Beistand bei der Stimmabgabe erhalten die Menschen im ostwestfälischen Marienmünster (Kreis Höxter). Hier werden die Wahlzettel direkt vor dem Altar in einer katholischen Kapelle ausgefüllt. „Das ist aus der Not geboren“, sagt ein Sprecher der Stadt. Das Feuerwehr-Gerätehaus, das in den vergangenen Jahren als Wahllokal gedient habe, werde umgebaut. Daher sei man in die Kapelle umgezogen.

Aus Not- wird Dauerlösung

Auch bei Familie Fabrizius in Leverkusen war das Wohnzimmer zunächst nur eine Notlösung. „Das sollte eigentlich ein Provisorium sein“, sagte Johannes Peter Fabrizius. „Aber Provisorien halten erfahrungsgemäß sehr lange.“

Nach und nach seien damals die eigentlichen Wahllokale weggebrochen, erinnert er sich. „Wir sind hier sehr ländlich strukturiert. Irgendwann ist alles weggefallen, Gaststätte, Kirche, Geschäfte.“ Da sei ihm die Idee gekommen, die Leute zum Wählen zu sich nach Hause einzuladen. „Wir haben Fliesenboden, der ist leicht zu reinigen.“

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.