Stimmung in  Notunterkünften ist ruhig



Gütersloh (rebo) -  Seit vergangener Woche werden in zwei Gütersloher Sporthallen Flüchtlinge aus Syrien, aus dem Irak, aus Pakistan, Somalia und weiteren Ländern vorübergehend aufgenommen. Der Betrieb in den beiden Unterkünften in Friedrichsdorf und Spexard läuft nahezu reibungslos.

Zogen nach einer Woche Bilanz über die Arbeit in den Notunterkünften für Flüchtlinge: (v. l.) Rainer Frenz (Kreisrotkreuzleiter), Bürgermeisterin Maria Unger, Sozialdezernent Joachim Martensmeier, Jürgen Strathaus (Rotkreuzbeauftragter, Thomas Habig (Leiter des Fachbereichs Ordnung) und Günter Göpfert (Vorstand DRK Kreis Gütersloh) vor dem Rathaus.

Die Gütersloher Bürger stehen den Flüchtlingen ruhig, zugewandt und hilfsbereit gegenüber. Diese Bilanz darf Bürgermeisterin Maria Unger eine Woche, nachdem die ersten Menschen in der Sporthalle in Friedrichsdorf angekommen sind, ziehen. Sie lobt die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, das die Notunterkünfte betreibt und mit allen ehrenamtlichen Kräften. Umgehend erhält sie das Lob zurück. „Für alle Probleme, die auftauchen, wird im Rathaus schnell eine Lösung gefunden“, sagt Kreisrotkreuzleiter Rainer Frenz. Thomas Habig, der als Leiter des Fachbereichs Ordnung die operative Leitung der beiden Unterkünfte übernommen hat, erklärt, dass die gesamte Organisationsstruktur von den Verantwortlichen selbst erarbeitet werden müsse. Es gebe keinen Leitfaden von höheren staatlichen Stellen. „Wir sind auf uns selbst gestellt“, sagt Sozialdezernent Joachim Martensmeier. Die Bezirksregierung Detmold habe um Amtshilfe ersucht. Damit sei die Stadt Gütersloh verpflichtet, die Notunterkünfte zur Verfügung zu stellen.

Viele Menschen mit Schussverletzungen

Rainer Frenz erzählt am Freitag auch Persönliches von den Flüchtlingen, die in Gütersloh ankommen. „Sie haben teilweise schwere Schicksale. Eine 16-Jährige aus dem Irak ist nach einer Schussverletzung querschnittsgelähmt. Sie kann nicht auf einem der Feldbetten schlafen, sondern muss entsprechend gelagert werden.“ Die Frau sei zudem im Klinikum versorgt worden. Viele der Flüchtlinge seien durch Schüsse verletzt worden, erzählt Frenz. Aus welchen Ländern die Menschen geflüchtet sind, lässt sich in den Notunterkünften nicht eindeutig klären. „Einen Pass habe ich noch nicht gesehen“, sagt Habig. Die Menschen seien dankbar für jede Kleinigkeit, beschreibt Frenz die Stimmung in den beiden Hallen. Und er betont, dass das Deutsche Rote Kreuz in diesem Fall seiner originären Aufgabe nachgehe. „Wir sind ursprünglich angetreten, um Flüchtlingen und Kriegsopfer zu helfen.“

Ein Ende ist nicht abzusehen

Wie lange die Notunterkünfte in Gütersloh genutzt werden müssen, vermag am Freitag niemand zu sagen. „Aber wir können kaum davon ausgehen, dass sich in den Krisengebieten dieser Welt, egal ob in Syrien, Afghanistan, Irak oder wo sonst, am 31. Dezember 2015 die Situation plötzlich von Grund auf verbessert“, sagt Joachim Martensmeier.

Weitere Informationen über die Arbeit in den Notunterkünften lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der „Glocke“ vom 1. August 2015

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