Stolperstein-App für das Smartphone



Gütersloh (gl) - Geschichte als langweilige Angelegenheit, die sich in staubigen Büchern versteckt? Nicht für die Schüler der Geschichts-Arbeitsgruppe (AG) der Elly-Heuss-Knapp-Realschule. Die 17 jungen Frauen und Männer haben eine Anwendung (Applikation, App) für das Smartphone entwickelt, die die Geschichte der jüdischen Bürger in Gütersloh in der Zeit des Nationalsozialismus lebendig macht.

Geschichte modern präsentiert: die Schüler der Geschichts-AG der Elly-Heuss-Knapp-Realschule mit ihrer Lehrerin Katrin Geweke (links), Bürgermeisterin Maria Unger (3. v. l.) und Kulturdezernent Joachim Martensmeier (6. v. l.) bei der Vorstellung von Stolperstein-App und Broschüre in der Aula der Schule. Im Vordergrund Schülerin Anna Hombach und Stadtarchivar Stephan Grimm.

Die Stolpersteine, die an unterschiedlichen Orten in der Stadt verlegt sind, haben die Schüler bei ihrer Arbeit geleitet. Zusammen mit der Broschüre „Stolpersteine in Gütersloh – ihr Name lebt weiter“, die jetzt druckfrisch vorliegt, haben die Mitglieder der Geschichts-AG die Anwendung für Smartphones am Dienstag vorgestellt. „Wir sind die Generation Smartphone“, sagte Anna Hombach als Sprecherin für die AG. „Was wir nicht auf dem Handy haben, gerät schnell in Vergessenheit.“

Monatelange Recherche

Damit das nicht auch für die Schicksale der in Gütersloh geborenen und später deportierten jüdischen Bürger gilt, haben sich die Elly-Heuss-Knapp-Schüler viel Arbeit gemacht. Seit September vergangenen Jahres haben sie mit Hilfe von Stadtarchivar Stephan Grimm recherchiert und sich über das Leben der Gütersloher Juden in der NS-Zeit informiert. Fotos von den Stolpersteinen wurden gemacht und in die Applikation eingepflegt, ebenso wie Texte und historische Dokumente.

Anregung durch die Steinwache Dortmund

Die Idee, elektronischen Medien zu nutzen, um Geschichte modern aufzubereiten, hatten die Gütersloher Schüler bei einem Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund. Auf eine Guide-Plattform im Internet, in der die Gütersloher Stolperstein-App integriert werden konnte, machte der Stolperstein-Künstler Gunter Demnig die Nachwuchs-Historiker aufmerksam.

Druckfrische Stolperstein-Broschüre

Wer Lust hat, sich selbstständig auf den Weg durch die Stadt zu machen und sich per Handy über die Geschichte der jüdischen Mitbürger zu informieren, kann die App kostenlos herunterladen. Wer lieber Papier in der Hand hält, um der Geschichte der jüdischen Bürger in Gütersloh nachzuspüren, hat, wie bereits berichtet, mit der Broschüre „Ihr Name lebt weiter“ umfangreiches Material zur Verfügung. Zu den insgesamt 44 Quadern aus Messing gibt es umfassende Informationen. „So viel, wie wir zu den einzelnen Menschen in Erfahrung bringen konnten“, sagt Stadtarchivar Stephan Grimm, der die Biografien für die 63-seitige Dokumentation verfasst hat. „Mit der Broschüre und der App machen wir das, was wir in den vergangenen Jahrzehnten über das Leben und das Schicksal unserer jüdischen Mitbürger in Erfahrung bringen konnten, Bürgern und Besuchern unserer Stadt zugänglich“, sagte Bürgermeisterin Maria Unger am Dienstag. Damit könne sich jeder darüber informieren, dass das Terrorregime der Nationalsozialisten auch Teil der Gütersloher Geschichte ist.

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