Studium im Alter hält Warendorfer jung



Warendorf (ansu) - Volle Hörsäle, Literaturrecherchen in der Universitätsbibliothek, Nachbereitung der Seminarinhalte am heimischen Schreibtisch – wer glaubt, dass das nur junge Studierende kennen, liegt falsch. „Studium im Alter“ liegt im Trend und steht auch bei Warendorfern auf dem „Lehrplan“.

Die Altersstudenten Maria und Albert Tiemann nutzen gerne von zu Hause aus das Onlineangebot der Universitätsbibliothek oder rufen mit ihrem Tablet die Inhalte besuchter Veranstaltungen ab.

An vielen deutschen Hochschulen gibt es mittlerweile ein Angebot, das sich an wissensdurstige Personen im mittleren und höheren Lebensalter richtet. Auch die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) in Münster zieht mit. Insgesamt nutzen dort aktuell rund 2000 Studenten die Möglichkeit, sich fernab von jeglichem Leistungsdruck in verschiedenen Fachbereichen weiterzubilden. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, weder nach oben noch nach unten.

Inge Seelige aus Warendorf ist eine der Altersstudenten. „Das ist alles so spannend“, zeigt sie sich begeistert. Nachdem die Lehrerin 2009 pensioniert worden war, schrieb sie sich ein Jahr später an der WWU ein und ist seitdem mit vollem Elan bei der Sache. „Ich liebe das Studium ohne Ende.“ In ihrem früheren Beruf gab sie ihr Wissen über katholische Religion, Deutsch und Geografie weiter, heute drückt sie selbst wieder die „Schulbank“. Und diese teilt sie sich nicht bloß mit Altersgenossen, sondern ebenso mit den jungen Studierenden. „Den Austausch zwischen Jung und Alt empfinde ich als sehr bereichernd“, sagt Seelige.

Da man im Rahmen des Altersstudiums an keine Studien- oder Prüfungsordnung gebunden ist, steht es den Studierenden frei, welche Veranstaltungen sie besuchen. Seelige belegt Kurse aus verschiedenen Fachrichtungen. Medizin, Theaterwissenschaften, Theologie und Sozialwissenschaften – auf ihrem Stundenplan hat schon alles gestanden.

Auch Albert und Maria Tiemann aus Warendorf studieren  seit 2011 an der WWU. Sie besuchen vorzugsweise Veranstaltungen aus dem Bereich der Medizin, aber auch aus der Volkswirtschaft standen schon Seminare auf dem Stundenplan. Das ist wenig verwunderlich, unterrichtete Albert Tiemann vor seiner Pensionierung doch als Studiendirektor am Paul-Spiegel-Berufskolleg Wirtschaft und Politik. „Obwohl ich mich so viele Jahre immer mit den aktuellsten Themen dieser Bereiche beschäftigt habe, konnte ich an der Uni einiges Neues lernen“, so der 67-Jährige. 

Allesamt genießen es die drei Warendorfer, frei von Leistungsdruck und unabhängig von Prüfungsordnungen zu sein. „Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich mache das nur für mich“, sagt Seelige. Die Tiemanns genießen den Freiraum des Studiums im Alter: „Man ist völlig frei in seinen Entscheidungen.“

 Das Vorlesungsverzeichnis, in dem die für Altersstudenten angebotenen Lehrveranstaltungen aufgelistet sind, ist in der Buchhandlung Darpe in Warendorf erhältlich. Das Altersstudium kann zwar unabhängig vom Schulabschluss aufgenommen werden, ermöglicht jedoch keinen akademischen Abschluss. Lediglich der viersemestrige Studiengang „Bürgerschaftliches Engagement in Wissenschaft und Praxis“, der sich an Personen richtet, die sich theoretisch mit Hintergründen, Voraussetzungen, Inhalten und Formen bürgerschaftlichen Engagements auseinandersetzen und ihre Kompetenzen in der Praxis umsetzen wollen, ist abschlussbezogen und führt zum Erwerb eines Zertifikats.

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