Tele-Visite in Warendorf bereits Routine



Warendorf (pw) - Was NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann nicht zuletzt unter dem Druck der Corona-Krise allen Krankenhäusern in NRW verordnen will, läuft im Warendorfer Josephs-Hospital bereits seit Oktober 2017: eine Televisite der Intensivmediziner in Kooperation mit der Uniklinik Münster.

Im kollegialen Austausch mit Ärzten des Uniklinikums Münster geht Dr. Tobias Mock, Oberarzt in der Abteilung für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im Warendorfer Josephs-Hospital, in die Visite. Das Warendorfer Krankenhaus ist Vorreiter in der Telemedizin und dient als Vorbild für weitere Krankenhäuser in NRW.

Es ist ein Kooperationsmodell in der modernen Medizin, das gerade in der Gegenwart von „Corona“ brandaktuell geworden ist: die Telemedizin, Sprechstunden oder Visiten, bei denen ein Arzt via Bildschirm zugeschaltet ist. Was für viele andere Krankenhäuser noch Zukunftsmusik ist, wird im Josephs-Hospital seit Jahren praktiziert: eine Tele-Visite in Kooperation mit der Uniklinik Münster. „Die Glocke“ sprach mit dem Experten für Telemedizin im Warendorfer Krankenhaus, Dr. Tobias Mock, über die Erfahrungen mit dem Modellprojekt.

Telemedizin in Corona-Zeiten gefragt

Mit großem Medienecho ist kürzlich ein neues Projekt „virtuelles Krankenhaus“ vorgestellt worden. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise die Telemedizin voranbringen – schneller als bisher geplant. Als Vorbild gilt das Modellprojekt „TELnet@NRW“, bei dem die Universitätskliniken Aachen und Münster bisher mit 17 kleineren Krankenhäusern landesweit zusammenarbeiten.

Aus dem Kreis Warendorf ist als einziges das Josephs-Hospital dabei, das bereits seit Oktober 2017 über „TELnet@NRW“ die Televisite in den alltäglichen Klinikablauf integriert hat. War im Rahmen des noch laufenden Modellprojekts ausschließlich die Intensivmedizin beteiligt, will Laumann beim systematischen Ausbau des Prinzips Telemedizin gerade in Zeiten der Corona-Pandemie insbesondere die Infektiologie verstärkt in die Kooperation zwischen den Unikliniken und den kleineren Krankenhäusern einbinden.

Kollege auf dem Rollwagen zur Visite

In Warendorf ist Dr. Tobias Mock, Oberarzt im Fachbereich Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie von Chefarzt Dr. Alexander Reich, der Telemedizin-Experte des Hauses. Er arbeitet bereits seit zweieinhalb Jahren federführend mit der Televisite.

Das Prinzip: Bei der täglichen Visite der Warendorfer Intensivmediziner ist ein virtueller Kollege dabei, der in Form eines Rollwagens, auf dem Bildschirm und Kamera fest installiert sind, im Ärzteteam mitgeführt wird. Live zugeschaltet ist ein Kollege aus der Uni Münster, der beim Gespräch der Warendorfer Fachärzte im Beisein des Patienten als zusätzlicher Ratgeber fungiert. Gewissermaßen erhalten Ärzte und Patient eine zusätzliche Expertise, um die nächsten Therapieschritte optimal abstimmen zu können – zum gegenseitigen Nutzen und für den Heilungserfolg.

Erfahrungen sind durchweg positiv

Rund zweieinhalb Jahre Erfahrung hat das Team des Josephs-Hospitals in Sachen Telemedizin vergleichbaren Krankenhäusern voraus. Für Oberarzt Dr. Tobias Mock ist die Televisite, die in anderen Krankenhäusern in NRW jetzt flächendeckend erst anlaufen soll, bereits Routine.

Und die Erfahrungen? „Ausgesprochen positive. Klar, es gab am Anfang auch die Befürchtung, sich sozusagen eine Konkurrenz ins eigene Haus zu holen. Aber das hat sich für uns nicht bestätigt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der kollegial-fachliche Austausch mit den Ärzten in der Uniklinik auf Augenhöhe geschieht. Es funktioniert in der Praxis genau so, wie es in der Theorie gedacht war: Wir ergänzen uns, um den für den Patienten besten Weg zu finden. Da gibt es kein Kompetenzgerangel, sondern beide Seiten lernen voneinander und ergänzen sich.“

Bericht dokumentiert den Erfolg

Die positiven Auswirkungen der telemedizinischen Kooperation beim Modellprojekt „TELnet@NRW“ sind inzwischen auch in einem Bericht dokumentiert. Nicht zuletzt das hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bewogen, aus dem Pilotprojekt mit zwei Unis und 17 Krankenhäusern ein flächendeckendes Angebot zu machen, das, über die Intensivmedizin hinaus, auch andere Disziplinen integriert. Der dringend erforderliche Austausch unter den Kliniken, vor allem angesichts der für alle neuen Corona-Pandemie, soll auf eine breitere Basis gestellt werden, um auch im Kampf gegen Covid-19 gemeinsam schlagkräftiger zu werden.

Die Ausweitung erfordert allerdings auch eine „Vereinfachung“ der technischen Basis: Der Rollwagen, den Dr. Mock und seine Kollegen bei der Vistite ins Patientenzimmer schieben, wird ein ganz besonderes Exemplar aus dem Pilotprojekt „TELnet@NRW“ bleiben. Um Telemedizin flächendeckend einzusetzen, soll das Programm auch über Laptops, Tablets oder gar Smartphones in die Krankenzimmer gebracht werden. Das Prinzip ist dasselbe, und Mock wird seine Kollegen ganz schnell darin fit machen können.

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