Tönnies bittet Aktivisten zur Kasse



Rheda-Wiedenbrück (sud) - Tönnies fordert von Tierrechtsaktivisten, die den zum Konzern gehörenden Schlachthof Thomsen in Kellinghusen (Schleswig-Holstein) im Oktober für mehrere Stunden lahmgelegt haben, Schadensersatz. Dabei soll es um fast 40 000 Euro gehen.

Gesalzene Rechnung: Ein Spruchband mit der Aufschrift „Fight for all beings and our planet until alle are free“ (Kampf für alle Lebewesen und unseren Planeten bis alle frei sind) enthüllten die Tierrechtsaktivisten im Oktober vergangenen Jahres auf dem Dach des zur Tönnies-Gruppe gehörenden Schlachthofs Thomsen in Kellinghusen. Zudem blockierten sie mehrere Eingänge. Jetzt fordert Tönnies Schadensersatz.

20 Aktivisten der eigens gegründeten Tierbefreiungsbewegung „Tear Down Tönnies“ hatten damals den Standort Kellinghusen in der Nacht mehrere Stunden besetzt. Die Demonstranten blockierten unter anderem zwei Eingänge, durch die normalerweise täglich mehrere tausend Schweine in den Schlachtbetrieb gebracht werden. Ein Produktionsausfall war die Folge. Erst die herbeigerufene Polizei konnte die Blockade beenden.

Fleischkonzern fordert Schadensersatz

Mehr als ein halbes Jahr später hat die Aktion für die Tierschützer nach einem Bericht der in Berlin erscheinenden Tageszeitung (taz) jetzt ein juristisches Nachspiel. Teilnehmer der Werksblockade in Kellinghusen hätten im Auftrag von Tönnies Post von der international tägigen Wirtschaftskanzlei Eversheds Sutherland erhalten. Die Schadensersatzforderung haute die Tierschützer nach eigenem Bekunden von den Socken: Fast 40 000 Euro fordere die Kanzlei im Namen des milliardenschweren Fleischkonzerns von den zumeist jungen Leuten – zahlbar bis zum 13. Juli.

Die Frist ist inzwischen verstrichen, und die Aktivisten haben nach eigener Aussage bislang nichts mehr von dem Rheda-Wiedenbrücker Branchenführer gehört. Trotzdem stellen sie sich auf einen Rechtsstreit mit dem Unternehmen ein. Man sammele bereits Geld, um die Prozesskosten decken zu können, wird eine Aktivistin in dem Zeitungsbericht zitiert. Kampflos aufgeben und zahlen wolle man keinesfalls.

Tierrechtler leisten Widerstand

Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte bestätigte am Freitag, dass der Konzern Geld von den Demonstranten sehen wolle. „Durch die Besetzung ist uns ein nicht unerheblicher Schaden entstanden, welcher durch deren rechtswidriges Handeln verursacht wurde. Dieser Schaden entstand insbesondere, da im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen keinerlei Kompromissbereitschaft seitens der Besetzer gezeigt wurde. Eine Auflösung der Blockade war auch nach langwierigen Verhandlungen nicht einvernehmlich möglich.“ Die Teilnehmer hätten gegenüber der Polizei massiven Widerstand geleistet.

Zugleich betonte Vielstädte, dass der Konzern jederzeit zu konstruktiven Gesprächen mit Kritikern bereit sei. „Wir stellen uns den Anliegen unterschiedlichster Interessengruppen und der gesellschaftlichen Diskussion.“ Auch das friedlich ausgeübte Demonstrationsrecht respektiere man.

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