Trauer um „Das Boot“-Regisseur Wolfgang Petersen


Mit 80 Jahren schmiedete Wolfgang Petersen noch eifrig Filmpläne. Nun trauert die Filmwelt um den deutschen Hollywood-Meister.

Regisseur Wolfgang Petersen salutiert an Bord seines Film-Kutters „Andrea Gail“ aus dem Film „Der Sturm“. Foto: dpa

Los Angeles (dpa) - „Das Boot", „Outbreak", „Air Force One", „Der Sturm", „Troja" - das Filmvermächtnis von Wolfgang Petersen ist beeindruckend. Stars wie Clint Eastwood, Dustin Hoffman, Harrison Ford, George Clooney, Brad Pitt, Rene Russo und Glenn Close drehten mit dem deutschen Hollywood-Regisseur. Nun trauert die Filmwelt um einen Künstler, der in seiner Heimat ebenso viel Erfolg wie in seiner Wahlheimat Kalifornien hatte. Mit 81 Jahren erlag Petersen einem Bauchspeicheldrüsenkrebsleiden. Er starb am Freitag friedlich im Kreis seiner Familie in seinem Haus im kalifornischen Brentwood, wie seine Assistentin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Seine Frau Maria war an seiner Seite.

Im hohen Alter kreativ

Für die Filmwelt kam sein Tod überraschend. Bis zuletzt war Petersen kreativ tätig. Kurz vor seinem 80. Geburtstag flachste der gebürtige Ostfriese, dass er über dieses runde Jubiläum „ganz locker drüber weg segeln" wollte. „Dann wird es auch nicht so ein dicker Hammerschlag, wenn man plötzlich so ein hohes Alter hat", sagte er im vorigen Jahr im dpa-Interview. Begeistert sprach er über eine Handvoll neue Film- und Fernsehprojekte. Den Ruhestand ignoriere er geflissentlich, vermutlich auch noch mit 100 Jahren, witzelte der Regisseur damals.

 Bilanz ziehen wollte er nicht. Er sei nicht der Typ, der in der Vergangenheit lebt, sagte Petersen. "Für mich geht der Blick immer noch mehr nach vorne. Ich schaue mir auch nur selten Filme an, die ich gemacht habe. Aber "Das Boot" war ganz klar die große Wende in meinem Leben und in meiner Karriere." Das Kinoepos über die Besatzung eines deutschen U-Boots im Zweiten Weltkrieg, mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer, bahnte Petersen den Weg nach Hollywood.

Sechs Oscar-Nominierungen

„Sechs Oscar-Nominierungen für einen deutschen Film, das war eine tolle Sache", blickte er fast bescheiden auf 1983 zurück. Es waren die meisten Anwartschaften, mit denen ein deutscher Film jemals von der Oscar-Akademie bedacht worden war. Petersen, damals Anfang 40, war für Regie und adaptiertes Drehbuch nominiert, hinzu kamen Kamera, Schnitt, Sound und Tonschnitt. Am Ende war „Gandhi" unter der Regie des Briten Richard Attenborough der große Oscar-Abräumer. „Das Boot" ging leer aus, doch es war der Startschuss für die große Hollywood-Karriere.

Mit dem Fantasy-Märchen "Die unendliche Geschichte" landete Petersen einen weiteren Kassenhit, gefolgt von dem Science-Fiction-Film "Enemy Mine", alle bei Bavaria Film nahe München gedreht. 2019 taufte das Studio zum Dank eine große Produktions-Halle auf Petersens Namen.

Der war zu diesem Zeitpunkt schon lange Wahl-Kalifornier. 1987 hatte sich Petersen mit seiner Frau Maria in Los Angeles niedergelassen. Der Politthriller "In the Line of Fire" mit Clint Eastwood als Secret-Service-Agent war 1993 ein großer Kassenhit. Es ging Schlag auf Schlag weiter: „Outbreak" mit Dustin Hoffman, „Air Force One" mit Harrison Ford, „Der Sturm" mit George Clooney, „Troja" mit Brad Pitt.

Gespür für junge Talente

Der in Emden geborene und in Hamburg aufgewachsene Regisseur hatte ein Gespür für junge Talente, von denen viele zu Weltstars wurden. Für den „Tatort"-Krimi "Reifezeugnis" holte er 1977 Nastassja Kinski vor die Kamera und machte die junge Darstellerin über Nacht berühmt. Diane Kruger war noch unbekannt, als Petersen ihr 2004 in dem Historienepos „Troja" neben Brad Pitt und Orlando Bloom die Rolle der schönen Helena gab. Das Studio wollte unbedingt einen Star casten, aber er suchte ein neues, „unschuldiges" Gesicht, erzählte Petersen. Unter Tausenden Casting-Videos habe er dann Kruger entdeckt.

Zum Tabubrecher wurde Petersen 1977 mit dem Kinofilm „Die Konsequenz", der von einer Männerliebe handelte. Jürgen Prochnow spielte darin einen Homosexuellen - die Thematik war damals Grund genug für den Bayerischen Rundfunk, sich aus dem Programm auszublenden. Erst durch den Film „Poseidon" (2006) bekam Petersens Erfolgsstory einen Dämpfer. Der rund 160 Millionen Dollar teure Katastrophen-Thriller floppte weltweit. Das war ein Schock, räumte der Regisseur ein. „Ich musste mir eine Auszeit nehmen und über viele Dinge nachdenken."

Letztes Projekt nicht vollendet

Für ein Remake seiner alten Fernseh-Komödie „Vier gegen die Bank" aus den 1970ern Jahren, kehrte Petersen 2016 in seine Heimat zurück. Der Gaunerfilm war mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und Michael Herbig prominent besetzt.

2021, mitten in der Corona-Pandemie, plante Petersen ein weiteres Regieprojekt in Deutschland - eine Liebesgeschichte um einen KGB-Agenten und eine junge Ostdeutsche, nach einer wahren Begebenheit, kurz vor dem Mauerbau. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Die Pandemie hatte den Regisseur zu einer längeren Pause gezwungen. Mit 80 Jahren lamentierte er darüber und hoffte auf eine baldige Rückkehr in den Arbeitsalltag. „Man muss ja auch mal wieder raus. Das Leben war für mich immer eine Reise durch die Welt, mit immer neuen Leuten und Teams."

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