TÜV prüft in Herford Möbel aus aller Welt



Herford (be) - Der TÜV kontrolliert nicht nur Autos. Im Museum Marta in Herford betreiben Sicherheitsexperten ein Möbelprüflabor. Im Zuge  ihrer Arbeit finden sie immer wieder Produkte, die den geltenden Sicher–heitsstandards und dem Stand der Technik nicht entsprechen.

Sicherheits-Check: Laborleiter Berthold Heinz überprüft einen Stuhl auf seine Standsicherheit. Die Vorderkante der Sitzfläche wird mit 60 Kilogramm belastet, gleichzeitig zieht der Prüfer das Gewicht zu sich. Die Füße des Stuhls müssen bei den Tests auf dem Boden blieben.

Von den jährlich 500 eingereichten Tischen, Stühlen, Schränken und Betten fällt ein Drittel durch die Tests, sagt Laborleiter Berthold Heinz (44). Man sieht es den Möbeln teilweise nicht an, welches Gefahrenpotential in ihnen steckt. Beispiel: der Bürodrehstuhl. Die Gasdruckfeder im Inneren des Gestühls kann beim Bruch des Gestells zum Geschoss werden. „In China sind in den vergangenen Jahren vier Menschen durch defekte, explodierende Gasdruckfedern ums Leben gekommen“, berichtet Heinz. Hierzulande seien solche Unfälle ausgeschlossen, wenn die Stühle eine DIN-Kennzeichnung haben, sagt der Möbelkontrolleur. „Kein verantwortungsvoller Hersteller würde solch ein Risiko eingehen.“

Im Prüflabor wird ein Drehstuhl getestet: 40 000 Mal wird das Gestell mit einem Gewicht von 100 Kilogramm belastet. So wird der Gebrauch über Jahre hinweg simuliert. An anderen Prüfständen wird die Bruchfestigkeit der Lehnen geprüft oder es wird die Schadstoffbelastung der Bezüge kontrolliert. Überstehen die Möbel die Prozedur, bekommen die Hersteller einen positiven Prüfbericht.

Möbelunternehmen aus aller Welt lassen ihre Produkte in Herford testen: Zwei Drittel der zu testenden Objektze kommen aus Deutschland, ein Drittel aus dem Ausland, überwiegend aus China. „Häufig sind es ausländische Produkte, die durch die Prüfung fallen“, sagt Heinz. Deutsche Hersteller arbeiteten schon bei der Entwicklung der Möbel eng mit den Sicherheitsexperten zusammen und vermeiden so grobe Fehler bei der Konstruktion.

Die Prüfer versetzen sich in die Rolle der Endverbraucher. Zerlegte Möbel werden von ihnen nach der Aufbauanleitung montiert. „Es kommt vor, dass sich die Möbel nach Anleitung nicht aufbauen lassen“, berichtet der 44-Jährige. Die Hersteller müssen dann nachbessern.

Verantwortung tragen aber auch die Kunden selbst. Heinz zeigt einen kleinen Schrank und drückt von oben leicht auf dessen aufgeklappte Tür: Das Möbelstück neigt sich nach vorne, muss vom Prüfer aufgefangen werden. „Kinder nutzen solche aufgeklappten Türen gerne, um den Schrank hochzuklettern.“ Der Prüfer schaut in die Aufbauanleitung: Dort findet sich eine fett gedruckte Anweisung, dass der Schrank an der Zimmerwand festgedübelt werden muss. „Wer das nicht tut, handelt fahrlässig“, sagt Heinz.

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