„Überhaupt nicht das, was wir wollten“



Ennigerloh (jew) - Im Sommer kommen die Politiker ins Schwitzen, im Winter müssen sie sich Mäntel überziehen, wenn sie im Ratssaal tagen. Der Raum muss dringend saniert werden. Diesen Beschluss hat der Rat im Dezember 2016 gefällt und ein Architektenteam mit den Planungen beauftragt.

LED-Beleuchtung, eine umgestaltete Tribüne mit gläserner Brüstung und eine neue Glasfassade: So stellt sich das Architekturbüro Fritzen+Müller-Giebeler den Ratssaal nach der Umgestaltung vor. Die Politiker kritisieren, dass bei der Planung das Ziel, die Technik zu verbessern, missachtet wurde.

Das Büro empfiehlt allerdings darüber hinaus die Erneuerung der Glasfassaden – für die Politiker zu viel des Guten. 180 000 Euro sind im Haushaltsplanentwurf 2017 bereitgestellt worden. Geht es nach der Vision des Architekturbüros Fritzen+Müller-Giebeler, soll das Rathaus in einem drei Maßnahmen umfassenden Gesamtpaket saniert werden. Die Kostenschätzung für das Konzept liegt allerdings bei 320 000 Euro, also 140 000 Euro mehr, als im Haushalt bereitstehen. Ein offener Emporenbereich mit gläserner Brüstung, LED-Elemente in Kreisform, eine neue Glasfassade – das Konzept ist umfangreich.

Glasfassade und Sonnenschutz wichtig

„Die Glasfassade und der Sonnenschutz gehören zu den wichtigsten Dingen. Sie sind dringend sanierungsbedürftig“, machte Architekt Georg Christoph Macholz am Montag im Stadtentwicklungsausschuss deutlich. Die energetische Sanierung durch Erneuerung der Glasfassade (140 000 Euro) sei absolut sinnvoll, da das Raumklima nicht stimme. Außerdem hat das Büro ein Konzept für eine neue Beleuchtung, die Aufbereitung der Akustikdecke (45 000 Euro) sowie die Erneuerung der Fußböden und der Empore (135 000 Euro) vorgelegt.

Verbesserung der Mikrofonanlage nicht berücksichtigt

„Hier wird eine Geschichte ad absurdum geführt“, sagte Bernhard Dombrink (FWG). Er war der Auffassung, dass die Maßnahme „in keinem Verhältnis zum Nutzen“ stehe. Jürgen Wagner (SPD) stimmte ihm zu: „Ich kann nicht auf der einen Seite überall einsparen und dann beim Ratssaal die Glasfassade erneuern.“ Besonders, dass das Architekturbüro die Verbesserung der Mikrofonanlage in den Planungen nicht berücksichtigt hat, ärgerte den Sozialdemokraten. „Anlass des Beschlusses war die Mikrofonanlage, nicht die Glasfassade. Das ist überhaupt nicht das, was wir wollten. Ich finde das unfassbar.“ Michelswirth bekräftigte die Meinung der übrigen Fraktionen. „Wir werden hier negativ votieren.“ Die CDU könne sich für politische Sitzungen auch die Nutzung der Gesamtschul-Aula vorstellen, betonte er. Die Politiker waren sich einig, dass die Verwaltung die Förderfähigkeit des Projekts prüfen soll, ehe man entscheiden will, wie der Ratssaal saniert werden soll.

Zitate

„Da hat die Verwaltung das Ziel verfehlt.“  - Jürgen Wagner (SPD) zu dem Architektenkonzept, das auch eine energetische Sanierung vorsieht.

„Die Verwaltung sieht die Notwendigkeit dieser Maßnahme in dieser Form auch nicht. Uns ist bewusst, dass wir hier deutlich über den Kostenrahmen hinausgehen. Wenn man eine energetische Erneuerung möchte, müsste man diese voranstellen.“ -Horst Handke, Leiter Fachbereich Stadtentwicklung, zu den Planungen des Architektenbüros.

„Wenn das erst das Letzte ist, das wir machen wollen, möchte ich das gar nicht mehr. Die Planer haben einen ganz anderen Blickwinkel auf das Konzept, als die Politik es seinerzeit gewünscht hat.“ - Bernhard Dombrink (FWG) sieht die Erneuerung der Akustik und der Technik als Grundvoraussetzung.

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