Ultras: laut, herausfordernd, umstritten



Ahlen / Neubeckum (gl) - Sie sind laut, bunt, herausfordernd, aber auch umstritten. Die Rede ist von Ultras. Im vierten Teil der Serie „Das wahre Herz des Fußballs“, der sich mit dem Thema Fans beschäftigt, kommen unter anderem zwei Mitglieder der Ahlener Gruppe Compadres zu Wort.

Der Fanblock ist ihr Wohnzimmer: Dennis Tönnemann (l.) und David Schneller gehören zu der Ahlener Ultra-Gruppe Compadres.

An Ultras scheiden sich die Geister. Von vielen werden sie geschätzt, weil sie ihren Verein bedingungslos unterstützen, aufwendige Choreographien auf die Beine stellen oder sich auch sozial engagieren. Von anderen werden sie verflucht, weil sie beispielsweise immer wieder mit verbotener Pyrotechnik auffallen. „Wir sind nicht unumstritten. Das wissen wir“, sagt David Schneller. Er ist Mitglied der Compadres, eine Ultra-Gruppe aus der Fanszene von RW Ahlen.

„Die guten Zeiten sind vorbei“

Der frühere Zweitligist spielt mittlerweile in der Oberliga - ein tiefer Fall, der auch an den Ultras nicht spurlos vorbeiging. „Die guten Zeiten sind vorbei. Viele tun sich noch immer schwer damit“, sagt Dennis Tönnemann, auch er ein Mitglied der Compadres. Ging es früher mit mehreren Bussen nach Freiburg, Osnabrück oder Berlin, folgen die Ahlener Ultras ihrem Verein nun mit deutlich weniger Leuten nach Erndtebrück, Rheine oder Aplerbeck.

„Sehr bedeutsame Fankultur“

Prof. Dr. Martin Winands ist Sozialwissenschaftler am Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule NRW in Paderborn. Er beschäftigt sich schon lange mit dem Phänomen Ultras. „Ultras zählen zu einer sehr bedeutsamen Fankultur, die Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland aufgekommen ist“, erklärt er im „Glocke“-Interview. Winands betont außerdem: „Ultra-Gruppen haben einen Eventcharakter. Man fährt zusammen zu Auswärtsspielen und man kann gemeinsam Ordnungsbehörden und Autoritäten herausfordern.“

Charme des Unvollkommenen

Markus Peitzmeier ist ein komplett anderer Typ Fan. Der 51-Jährige hat eine Dauerkarte beim Kreisligisten SV Neubeckum und sieht pro Saison 20 bis 25 Spiele am Harberg. Ihn reizt der Charme des Unvollkommenen: „Das Nette ist das Nicht-Perfekte im Amateurfußball. Es gibt nur einen Schiedsrichter, keinen Videobeweis. Der Amateurfußball hat noch diese Ehrlichkeit und dieses Urtümliche. All die kleinen Macken und Fehler machen es sympathisch.“

Ausführliche Multimedia-Reportagen

Die beiden Ahlener Ultras, der SVN-Fan Markus Peitzmeier und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Martin Winands legen im vierten Teil der Serie „Das wahre Herz des Fußballs“ ihre Sicht der Dinge dar. Und das nicht nur in ausführlichen Berichten in den Lokalsport-Teilen der gedruckten Zeitung, sondern auch in Multimedia-Reportagen im Internet. In den kommenden Wochen widmet sich die Serie noch den Themen Nachwuchs und Schiedsrichter, außerdem wird zum Abschluss bei einem Derby in der Kreisliga-B hinter die Kulissen geblickt.

Hier geht es zu den Multimedia-Reportagen der Serie „Das wahre Herz des Fußballs“. Den ausführlichen Bericht zum Thema Fans finden Sie am Mittwoch, 8. Mai, in der „Glocke“.

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