„Um ihnen Gefühl zu geben, wertvoll zu sein“



Beelen (fre) - An der Eingangstür zum Rathaus weist ein Zettel mit einem Pfeil nach rechts. „Sprachkurs“ steht dort geschrieben und zeigt den Teilnehmern den Weg in einen Raum, der normalerweise für Ausschusssitzungen genutzt wird. Um den ovalen Tisch herum haben sich zehn Flüchtlinge versammelt.

Kursus

Neben ihnen sitzen Ehrenamtliche, die dreimal in der Woche für anderthalb Stunden mit den Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern Deutsch lernen.

Was schnell auffällt, ist die Geschlechterverteilung: Zehn Frauen sind an den drei Tagen als „Lehrer“ tätig, ihre Schüler dagegen meist männlich. Am Anfang wird mit den ersten deutschen Sätzen begonnen: „Guten Tag“, „Mein Name ist…“, „Ich komme aus…“ . Dann folgt die Benutzung eines roten Vokabelbuchs, in dem die Wörter durch Bilder erklärt werden. Manchmal reicht das aber nicht aus, und Englisch als Vermittlungssprache oder eine Übersetzerapp werden zu Rate gezogen. Andere Teilnehmer lesen mit Hilfe der Ehrenamtlichen Bücher vor, die eigentlich für Kinder gedacht sind und Geschichten vom ersten Schultag beinhalten.

„Die Kurse sind deshalb so wichtig, weil der offizielle Sprachunterricht erst nach der Anerkennung des Asylantrags beginnt“, erklärt die ehrenamtliche Helferin Klaudia Ellerbrock. Geld für selbst zu zahlende Kurse haben die meisten Flüchtlinge nicht, so dass sie auf das Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen sind.

Angefangen hatte die Aktion beim „Runden Tisch Asyl“ im Frühling, als sich vier Teilnehmer mit Sprachunterricht engagieren wollten. Mittlerweile hat sich die Zahl durch Anfragen von Bekannten und Freunden mehr als verdoppelt: „Lina hat immer vom Sprachkursus erzählt, und dass es ihr so viel Spaß macht. Dann wollte ich auch mal vorbeischauen“, verdeutlicht die 15-jährige Pia Laumann-Pötter.

Die Motivation der Ehrenamtlichen geht dabei bei den meisten in eine ähnliche Richtung: „Man kann etwas tun und sitzt nicht untätig zuhause herum“, antwortet Lina Winnemöller. „Um ihnen das Gefühl zu geben, wertvoll zu sein, und dass sich jemand um sie kümmert, damit sie sich willkommen fühlen“, ist für Monika Dahlhaus ausschlaggebend. Schließlich sind die wöchentlichen Treffen nicht nur ausschließlich zum Deutschlernen da.

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