Und mit jedem Tor wird die Welt besser



Ahlen/Essen (uwe) - Da wurde das Gesicht mit jedem Treffer lang und länger. 20 Euro hatte der Torpate pro Bude versprochen, am Ende schickte der SuS Haarzopf II die SG Schönebeck IV mit einem 17:0 nach Hause, und der noble Spender blätterte eiskalt 340 Euro auf die Theke des Vereinsheims.

Motiviert bis in den Haarzopf: Die Haarzopfer „Ü23“ hat mit Jonas Strupat wieder Geld gesammelt – immer für den guten Zweck.

 Egal, für alle ein Grund zur Freude, diesmal ging das Geld an die Initiative „Ein Herz für Moria“, und die Rasselbande von Alt-Internationalen hat es mal wieder geschafft: gleichzeitig Spaß haben, den Sport leben und dabei Gutes tun.

Unter ihnen, ein bekanntes Gesicht. Jonas Strupat, vor sechs Jahren noch Ahlener Torjäger in Diensten von Vorwärts, hat sich einem Projekt angeschlossen, das längst droht, eines nicht so fernen Tages Kult zu werden. „Wenn es keinen Spaß machen würde, dann könnte es auch nicht so gut funktionieren“, ist Strupat glücklich, dass er gerade einfach alles haben kann. Mit der Reserve des SuS Haarzopf ungeschlagen Tabellenführer der B-Liga in Essen und gleichzeitig denen helfen, die es am Nötigsten haben.

Die vielen Charity-Projekte der Mannschaft vom Föhrenweg sind längst von regionaler Prominenz, was aber kein Wunder ist, denn die Geschichte des Teams ist ebenso publikumswirksam. „Eine richtig geile, coole Truppe“, schwärmt Strupat. „Fast wie damals bei Vorwärts Ahlen , hier spielen wirklich Freunde miteinander.“

Der 31-jährige Lehrer für Hauswirtschaft und Mathe wohnt nur fünf Minuten vom Platz weg und lief zuerst in der ersten Haarzopfer Garde in der Kreisliga A auf. Als sich Strupat dann entschloss, die Zweite aufzuwerten, war er nicht allein. Auch der ehemalige Oberliga-Spieler Marc Enger war zu seinem Heimatverein zurückgekehrt, und der rührte Anfang des Jahres unter alten Kumpels so dermaßen die Werbetrommel, dass man nun einen Kader von 30 Spielern beisammen hat.

 „Alles da von ehemaligen Oberliga- über Landesliga bis zu Bezirksliga-Kickern“, sagt Strupat. „Ich habe gefühlt noch nie in einer so guten Truppe gespielt, eine unfassbare Qualität.“ Da müssen die Torpaten – auch das eine geniale Aktion und Idee der Jungs vom Haarzopf – manchmal tief in die Tasche greifen, denn Tore der grünweißen Routiniers fallen in der Liga am Fließband. 58:4 sind’s nach den ersten sieben Spielen.

 Kein Wunder, dass Jonas Strupat gleich auch den zweiten Ahlener aktivieren wollte. Sein alter Vereinskollege aus glorreichen Vorwärtszeiten unter Trainer Ralf Pottgüter wohnt „nur zehn Minuten von mir weg“, sagt Strupat. Aber Marvin Krampe hat bisher abgewunken. „Er meint, er hat was mit dem Knie“, verrät Strupat. „Schade, er würd’ gut zu uns passen.“ Aber vielleicht reicht’s ja mal für einen Torpaten. Denn mit jedem Haarzopfer Tor wird die Welt ein bisschen besser.

Mal vom eigenen Glück was abgeben

Ahlen/Essen (uwe). Sich zusammensetzen und was reden – so fangen die besten Geschichten an. In Haarzopf, „einem ländlichem Zipfel Essens, letzte Ausfahrt, ehe es nach Düsseldorf geht“, wie es der Vorsitzende Ulrich Ostermann beschreibt, hat das gleich zweimal funktioniert.

Einmal, als man mit Marc Enger die sogenannte „Ü23“ aus der Taufe hob. Und das zweite Mal, als man beim Bierchen darauf kam: „Lass uns doch auch mal was Gutes tun.“ „Also haben wir angefangen, Ideen zu entwickeln“, erinnert sich Jonas Strupat nicht ohne Stolz. „Und es wurden immer mehr.“

 Das Flaggschiff unter all den guten Taten ist sicherlich das Brunnenbau-Projekt der Neven-Subotic-Stiftung. Die Initiative des ehemaligen serbische Nationalspielers, Ex-Dortmunders und Aktiven bei Union Berlin, will seit acht Jahren immer mehr Menschen in den ärmsten Regionen der Welt mit sauberem Wasser versorgen. In Äthiopien wurden bisher durch Spenden 212 Brunnen-Projekte vollendet. Eines davon kommt jetzt aus Essen-Haarzopf. „Wir haben es geschafft, der Brunnen ist abgeschlossen“, freut sich Strupat, dass mit nur 10 000 Euro eine Idee so lebendig wird, dass sie so viele Leben retten kann.

 Die letzten nötigen 7000 Euro (!) kamen beim Charity-Spiel gegen den Oberligisten SpVgg Schonnebeck zusammen – Eintritt, Bier und Würstchen für sauberes Trinkwasser und hygienische Waschmöglichkeiten in Afrika, ein verdammt guter Tausch. „Dann brauchten wir was Neues“, sagt Strupat. „Also unterstützen wir jetzt Reit-Therapien, bei denen man für 2000 Euro ein Kind ein Jahr lang betreuen kann.“

 Damit sind sie letztes Wochenende beim 5:2 über DJK Juspo Essen West angefangen. Die ersten 100 Euro klingeln also schon im Spendenbeutel. Die ganze Hinrunde ist bereits mit großzügigen Torpaten für das SOS-Kinderdorf Essen, „Ein Herz für Moria“ oder die Flüchtlingshilfe ausgebucht. „Wir gehen so was professionell an“, nickt Strupat und meint die Werbung auf allen Social-Media-Kanälen, die seinen Haarzöpfen eine immer breitete Öffentlichkeit verschafft.

Auch bis in die alte Heimat nach Ahlen, wo der Vorwärts-Kanonier immer noch Familie und Freunde hat. Vor seinem Einsatz bei der DJK, die er 2014 Richtung Düsseldorf verlassen hatte, spielte Strupat für die Jugend von TuS und LR Ahlen. „Da hatte ich noch den Traum, Profi zu werden“, sagt Strupat und grinst: „Bis ich in der C-Jugend gegangen bin. Die hätten mich sowieso sonst rausgeschmissen.“

Wenn das mal nicht ein Benefitz-Spiel wert ist? RW Ahlen für lau in Haarzopf, und von den Einnahmen werden Brunnen gebohrt. Man kann sich ja mal zusammensetzen und reden. So fangen bekanntlich die besten Geschichten an.

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