Victoria bangt um Früchte der Topsaison 



Herzebrock-Clarholz (rol) - Die Corona-Zwangspause zerrt an den Nerven aller Verantwortlichen der Sportvereine. Besonders bitter ist die Situation für ambitionierte Fußballteams wie Victoria Clarholz, die zum Nichtstun verdammt sind, obwohl sie in diesen Tagen wichtige Weichen stellen müssten.

Paradebeispiel für die traditionell gute Ausbildungsarbeit der Clarholzer Victoria. Timo Biegel (l.) ist derzeit mit elf Saisontreffern bester Torschütze seiner Mannschaft.

 „Aktionismus ist völlig fehl am Platze“, sagt Marc Borgmann, der in Clarholz nicht nur im Vorstand engagiert ist, sondern darüber hinaus bekanntlich vielfältige Aufgaben wahrnimmt. So gerne er und seine Mitstreiter zur Krönung des 100-jährigen Bestehens des Vereins mit der eigenen ersten Mannschaft die Meisterschaft in der Westfalenliga feiern würden, so schwierig ist eine ernsthafte Prognose zum Fortgang der Saison 2019/2020.

Vor der Corona-Krise habe man laut Borgmann natürlich auch das Thema Oberliga angesprochen, mit dem Stopp des Spielbetriebs sei jedoch alles anders geworden. Sämtliche Planungen liegen zwangsläufig auf Eis. Dabei ist die Ausgangslage für die Kicker aus dem Holzhofstadion exzellent. Mit nur einem Punkt Rückstand auf Tabellenführer Vreden ist die Hankemeier-Elf in der Pausentabelle Dritter – bei einem Spiel weniger im Vergleich zum Primus.

„Gott sei Dank waren wir zum Zeitpunkt des Beginns der Saisonunterbrechung schon sehr weit mit unserer Kaderplanung. Das Gerüst der Mannschaft für die neue Saison steht“, teilt Borgmann mit. Die Stammspieler bleiben also an Bord.

Das gilt beispielsweise auch für Victoria-Toptorjäger Timo Biegel, der bislang elfmal getroffen hat und auf dem Wunschzettel anderer, renommierter Vereine stand. „Das freut uns natürlich besonders. Er ist ein Clarholzer Junge und hat sich für uns entschieden, obwohl er lukrativere Angebote hatte“, erklärt Marc Borgmann. Der 28 Jahre alte Biegel setzte mit der Verlängerung ein wichtiges Zeichen. Sein Verbleib ist laut Borgmann auch ein Indiz für die „sehr, sehr gute Stimmung“ innerhalb des Teams.

Die begeistert offenkundig auch andere Eigengewächse wie Dennis Fischer. „Er spielt schon seit der F-Jugend bei uns, das sollte man ruhig mal erwähnen“, sagt Borgmann über den 23-jährigen defensiven Mittelfeldmann, für den „Motivationsproblem“ ein Fremdwort ist.

Sehr bedeutsam für den Team-Erfolg ist zweifellos der Stab um Trainer Christopher Hankemeier. Der Chef an der Seitenlinie bleibt den Clarholzern ebenfalls erhalten. Mit Co Markus Bollmann steht ein klärendes Gespräch aus.

Die ausgezeichnete Atmosphäre innerhalb der Mannschaft ist ein Markenzeichen der Clarholzer Victoria. Aber das allein langt selbstredend nicht, um auf den dritten Platz der Westfalenliga vorzustoßen. Grundvoraussetzung dafür ist ein leistungsfähiges Team mit genügend Qualität. Davon besitzt die Elf von Christopher Hankemeier reichlich.

Das zeigt sich vor allem vor eigenem Publikum. Wir sonst nur GW Nottuln ist Victoria Clarholz daheim noch ungeschlagen. In neun Spielen im Holzhofstadion erzielten Biegel & Co. 20 Tore. Die als Tabellenführer angereisten Gäste aus Vreden und Rödinghausen gingen dort leer aus. Die laut Marc Borgmann „spielstärkste Mannschaft der Liga“ aus Roland nahm nur einen Zähler mit.

Clarholz selbst ist der Minimalist mit Blick auf die Niederlagen. Erst zweimal verlor die Victoria (1:2 bei Borussia Emsdetten, 0:1 in Roland) – ein bemerkenswerter Liga-Topwert nach 18 Begegnungen, zumal die jüngste Schlappe in Roland sehr unglücklich war. Zum Vergleich: Vreden zog bereits sechsmal den Kürzeren, der Zweite Rödinghausen II schon fünfmal.

Zur Wahrheit gehört auch, dass den Spitzenreiter Vreden nur fünf Punkte vom Siebten SC Delbrück) trennen. Die Westfalenliga-Staffel 1 mit 15 Mannschaften ist in dieser Spielzeit extrem ausgeglichen. Selbst der Elfte aus Spexard liegt nur neun Punkte hinter Tabellenführer Vreden. Das bekräftigt Marc Borgmann mit einem Blick in die jüngere Vergangenheit: „In den vergangenen sieben, acht Jahren gab es in der Westfalenliga immer ein, zwei Übermannschaften. In dieser Saison ist das völlig anders.“

Was all dies bedeutet, ist jedoch völlig offen angesichts der verschiedenen Szenerien zur Fortführung der Saison. Fest steht aber, wie sich Victoria Clarholz seine Zukunft vorstellt. Man wollen weiterhin mit jungen Spielern aus eigenen Reihen und der näheren Umgebung den Erfolg suchen, unterstrich Borgmann. Warum auch nicht? Der Höhenflug gibt Victoria Clarholz recht.

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