Von A wie Aapenköster bis W wie Windbühl



Ostenfelde (hh) - Eine witzig-hintersinnige Geschichte, originelle Figuren in sehenswerten Kostümen und deftiges Münsterländer Platt: Mit dem Stück „Drunner un Drüöwer – Brandniee Beliäwnisse met Adam un Eva“ hat Autor und Regisseur Hans Schwartze auch in diesem Jahr wieder einen Volltreffer gelandet.

Während sich Eva (Gertrud Wellerdiek) mal wieder eifrig ins Gespräch einmischt, hat Adam (Tönne Schmalbrock) wie immer nicht viel zu sagen. Die beiden Urgesteine des Plattdeutschen Theaters Ostenfelde sind wie gemacht für das brummig-vorlaute Landstreicherpaar im neuen Stück „Drunner un Drüöwer – Brandniee Beliäwnisse met Adam un Eva“ aus der Feder von Regisseur Hans Schwartze.

Bei der Premiere am Samstagabend im Saal Kröger gab es langanhaltenden Applaus von den begeisterten Zuschauern. „Plattdeutsch ist keine tote, sondern eine sehr lebendige Sprache“, wird das Ostenfelder Original nicht müde zu betonen.

Und davon kann sich das Publikum bei seinem neuen Stück überzeugen. Vor allem Gertrud Wellerdiek in ihrer Paraderolle als Landstreicherin Eva zieht auf der Bühne alle mundartlichen Register. Insgesamt 77 verschiedene Schimpfwörter von A wie Aapenköster über G wie Grieneschnute und P wie Pattgaus bis W wie Windbühl gibt sie in der knapp dreistündigen Aufführung zum Besten – alle fein säuberlich im Anhang des Programmhefts ins Hochdeutsche übersetzt. Doch die ersten Lacher ernteten Wellerdiek und ihr Adam Tönne Schmalbrock, noch bevor sie überhaupt den Mund aufgemacht hatten. Bei Kostümauswahl und Maske hat das Team um Inge Schwartze ganze Arbeit geleistet, so dass allein der Auftritt des Landstreicherpaars mit seinen vielen Röcken und Hüten, dem Bart und dem Strubbelhaar für Begeisterungsstürme sorgte.

Aber auch die turbulente Handlung rund um Adam und Eva, die bei ihrem Besuch auf dem Hof von Drüke (Elisabeth Wehling) und Franz (Michael Horstmann) Drock ebenso wie der verschwundene Oihm Wilm Groff (Hans Schwartze) reichlich Wirbel verursachen, lässt kaum ein Auge trocken. Lebt der Oihm noch, oder ist er schon ein Geist, der der Kammer der Magd einen Besuch abstattet? Was ist dran an den familiären Verwicklungen auf dem Drüke-Hof, über die das „Heimatblättken“ aus angeblich sicherer Quelle berichtet? Und was hat es mit dem „Neuen Testament“ auf sich? Kein Wunder, dass die schlicht gestrickte Magd Settken (Heike Schwartze) da Probleme hat, das ganze Geschehen zu durchschauen. Mit viel Spielfreude nehmen die Schauspieler des Plattdeutschen Theaters Ostenfelde die Zuschauer mit in das rustikale Leben im Münsterland des frühen 20. Jahrhunderts und lassen hoffen, dass der dritte Auftritt von Adam und Eva auf der Bühne bei Kröger nicht der letzte gewesen ist.

Zwei Dinge machen das Ostenfelder Theater so besonders: die selbst geschriebenen Stücke von Hans Schwartze und die Schauspieler, denen der Autor ihre Rollen auf den Leib schreibt. So brilliert auch diesmal Autoren-Tochter Heike Schwartze mit toller Mimik als etwas dusselige Magd, und die beiden Theater-Urgesteine Gertrud Wellerdiek und Tönne Schmalbrock sind wie gemacht für das brummig-vorlaute Landstreicherpaar. Auch alle anderen Darsteller – von den vier Nachwuchsakteuren Justus und Mats Ole Wehling, Simon Splietker und Jona Horstmann über die gestandene Schauspielerriege bis zum Neuling Lothar Drießen, der eine gelungene Premiere feierte – wissen ihr Publikum zu überzeugen.

Weitere Aufführungen sind am Samstag, 9. Januar, 20 Uhr, Sonntag, 10. Januar, 14 Uhr (mit Kaffee und Kuchen), Sonntag, 10. Januar, 19 Uhr, Samstag, 16. Januar, 20 Uhr, Sonntag, 17. Januar, 14 Uhr (mit Kaffee und Kuchen), Sonntag, 17. Januar, 19 Uhr, Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, Samstag, 23. Januar, 14.30 Uhr, Samstag, 23. Januar, 20 Uhr, Sonntag, 24. Januar, 14.30 Uhr, Sonntag, 24. Januar, 19 Uhr. Eintritt: 7 Euro; Kaffee und Kuchen zusätzlich 7 Euro; Westfälisches Abendessen 9 Euro (Vorbestellung im Hotel Kröger, Tel. 02524/93190). Vorverkauf und Reservierung für Aufführungen täglich von 9 bis 12 Uhr und 17 bis 21 Uhr bei Familie Schwartze, Tel. 02524/7479.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.