Vorerst keine Flüchtlinge in der Kaserne



Gütersloh (din) - Die Kaserne an der Marienfelder Straße wird vorerst nicht zur Unterbringung von Flüchtlingen benötigt. Grund: Die Stadt erhält zurzeit kaum Zuweisungen – und in größerem Umfang sind in absehbarer Zeit auch keine zu erwarten.

Zurzeit nicht benötigt: Die Stadt kommt vorerst ohne die Unterbringung von Flüchtlingen in der Flugplatz-Kaserne aus. Die Siedlung Parsevalstraße gegenüber ist hingegen schon bezogen worden.

 „Nach jetzigem Stand ist tatsächlich mit geringeren Zuweisungszahlen als noch im Herbst prognostiziert zu rechnen, so dass das Kasernengelände zwar als Unterbringungsmöglichkeit vorgehalten werden, aber derzeit nicht belegt werden muss“, teilte Stadt-Sprecherin Susanne Zimmermann auf Anfrage der „Glocke“ mit. Die Infrastruktur werde allerdings aufrecht erhalten, so dass eine Belegung mit relativ kurzem Vorlauf erfolgen könne. Erfahrungsgemäß könne sich die Datenlage „auch sehr schnell ändern“.

Im Sozialausschuss hatte der zuständige Dezernent Joachim Martensmeier unlängst davon gesprochen, dass eine Inbetriebnahme der Flugplatzunterkünfte eines Vorlaufs von geschätzt vier Monaten bedürfe. So müsste zumindest eine Zufahrt vom Crash Gate zu den Wohngebäuden errichtet werden sowie ein Zaun, der die Flüchtlingsunterkünfte vom restlichen Kasernengelände abtrenne. Bei einer intensiveren Belegung sei eine kostenträchtige Nachrüstung mit Küchen erforderlich.

Ursprünglich sollten in den Unterkünften am Flugplatz bis zu 300 Menschen untergebracht werden. Den Nutzungsvertrag hat die Stadt am 24. Januar an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verschickt. Die Nutzungskosten etwa für die Wasser- und Stromversorgung trägt die Stadt ab dem Zeitpunkt der Übernahme. Aus technischer Sicht wäre es eigentlich wünschenswert, wenn die Gebäude durchgehend genutzt würden. Zur Vermeidung von Keimen sollte ständig Wasser fließen.

Theoretisch könnte die Kaserne benötigt werden, so Martensmeier, wenn zum Beispiel andere Unterkünfte saniert werden müssten. Allerdings stelle sich die Frage, ob eine Inbetriebnahme der Flugplatz-Unterkünfte angesichts der zurzeit niedrigen Flüchtlingszahlen überhaupt sinnvoll erscheine.

Aktuell leben in städtischen Unterkünften etwa 1070 Flüchtlinge, gut 30 Mehr als zu Jahresanfang. „Zurzeit erfolgen in Abstimmung mit der Bezirksregierung Detmold wöchentliche Zuweisungen in geringem Maße sowie Zuzüge im Rahmen von Familienzusammenführungen“, so Sprecherin Zimmermann.

Um die vorgegebene Aufnahmequote zu 90 Prozent zu erfüllen, müsste die Stadt noch etwa 40 Flüchtlinge aufnehmen, für 100 Prozent noch 160 Personen. Unklar sind die Auswirkungen des Familiennachzugs. Seit Oktober waren es 33 Personen. Von den knapp 1070 Menschen in städtischen Unterkünften sind etwa 220 als Asylbewerber anerkannt, so dass sie ausziehen könnten.

Wie schnell sich Pläne ändern

Vor einem Jahr hat der Rat in Verbindung mit einer Rahmenplanung den Bau von Flüchtlingsunterkünften für 11,33 Millionen Euro beschlossen. 732 Plätze sollten zusätzlich geschaffen werden. Geplant waren Holzbauten und Container an zehn Standorten. In Niehorst stießen die Pläne auf Kritik. Auch mit Plänen die Belegung einer weiteren Sporthalle an der Anne-Frank-Schule geriet die Verwaltungsspitze in Bedrängnis.

Im Rathaus rechnete man zu Jahresanfang nach Prognosen des Bundes mit bis zu 1600 zusätzlichen Flüchtlingen für 2016. Die Prognose ist nicht annähernd eingetreten. Tatsächlich waren es 422 Zuweisungen.

Im Ergebnis musste an einigen Stadtorten nicht gebaut werden: zum Beispiel am Stadtring Sundern, wo ein Randstreifen gerodet worden war, und auch an der Straße Am Anger, wo ein Fachwerkhaus abgerissen worden war.

„Auch vor einem Jahr wurde bereits deutlich gemacht, dass zur Unterbringung die Möglichkeiten des Baus, des Ankaufs und der Anmietung genutzt werden sollen“, erklärte dazu Stadtsprecherin Susanne Zimmermann. „Durch die Möglichkeit von Ankäufen und Anmietungen konnte bisher an einigen Stellen die Errichtung von Unterkünften zurückgestellt werden.“ Das betreffe die Standorte, an denen Container geplant gewesen seien. Am Ellernhagen, an der Scharnhorststraße, an der Holzheide (so gut wie fertig) und am Hopfenweg (im Bau) seien Unterkünfte in Holzrahmenbauweise entstanden.

Nicht umgesetzt wurden Flächen außerdem am Anemonenweg, am Alten Schützenplatz in Avenwedde, an der Strotheide sowie an der Buschstraße.

Die Sporthallen in Friedrichsdorf und Spexard werden längst wieder von den Vereinen genutzt. Die Sporthalle Nord soll nach den Osterferien wieder für den Vereinssport zur Verfügung stehen. Dort ist eine umfangreichere Sanierung des Bodens erforderlich, weil die Beschädigungen laut Verwaltung erheblicher sind als in Friedrichsdorf und Spexard.

Nach Angaben von Joachim Martensmeier im Sozialausschuss sollen demnächst weitere Unterkünfte am Rudolfstädter Weg, in der Reilmann-Siedlung in Avenwedde (privat) und an der Kiebitzstraße hinzukommen.

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