Warum sollen die Bäume weichen?



Warendorf (jed) - „Ausnahmegenehmigung von der Satzung zum Schutz des Baumbestandes in der Stadt Warendorf . . .“ Der Tagesordnungspunkt sieben einer öffentlichen Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschusses kommt zunächst einmal unscheinbar daher.

"Darf ich dort in Zukunft nicht mehr spielen?" Von Kindern wird das Unterholz mit seinem Gestrüpp zwischen Zurstraßenweg und Hellegraben gern als Abenteuerspielplatz genutzt.

Nach ausführlichen Debatten über Lärmschutzaktionsplan und „Neue Ems“ (Lokalseite 3) ist das Interesse der Fraktionsvertreter an einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht mehr allzu hoch. Lediglich Jessica Wessels fasst nach. Stutzig geworden ist die Vertreterin von Bündnis 90 / Die Grünen bei dem Begriff „Altablagerungen“. Die Fällung von zehn Laubbäumen (Pappeln und Weiden), von denen zehn Exemplare aufgrund ihres Stammumfangs von mehr als einem Meter unter dem Schutz der Baumschutzsatzung stehen, sollen gefällt werden. Sie sollen einem Zaun weichen, der „nur auf der Grenze“ eines Bebauungsplans errichtet werden kann. Und: „Die in diesem Bereich befindlichen Altablagerungen entlang der Grenze sind mit einer Zaunanlage gegen Betreten zu sichern“. Wie bitte? Geht von der Altablagerung – etwa zwischen 1960 und 1969 ist dort von der Stadt eine Müllkippe betrieben worden – also eine akute Gesundheitsgefährdung aus? Und das in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung?

„Ich selbst habe dort als Kind gerne gespielt. Und ich sehe jeden Tag Jungen und Mädchen, die das auch jetzt noch tun“, merkt Wessels in der Sitzung an. Obwohl der Fachausschuss auch den Begriff Umwelt in seinem Titel trägt, fallen Erklärungsversuche der Verwaltung unbefriedigend aus. Zuständig sei, so heißt es, die Untere Bodenschutzbehörde, also der Kreis Warendorf. Dort hat „Die Glocke“ einmal nachgefragt, und Interessantes, letztlich aber auch Beruhigendes erfahren: „Aus Boden- und Altlastensicht wurde keine Einzäunung der gesamten Fläche, unter der sich die Altablagerung befindet, gefordert, weil von ihr keine Gefahr für den Menschen – über den Wirkungspfad Boden-Mensch – ausgeht. Die Altablagerung ist ausreichend durch natürliches Bodenmaterial abgedeckt. Aus Boden- und Altlastensicht ist ein Aufenthalt dort daher unbedenklich. Vereinbart wurde aber, den Lärmschutzwall durch dornige Sträucher und einen Zaun gegen den Zutritt von Personen zu sichern.“ Vor diesem Hintergrund macht der vorgesehene Zaun entlang der Baumreihe eigentlich keinen Sinn, zumal das Areal aus östlicher und südlicher Richtung (über Ewringmannstraße) weiterhin frei zugänglich wäre.

Unklar ist auch, warum der Zaun, wenn er denn unbedingt gewünscht wird, zum Schutz der Fauna und Flora nicht dies- oder jenseits der Baumreihe gebaut werden kann. Dazu die Kreisverwaltung: „Das Fällen der Bäume hat unsere Untere Bodenschutzbehörde nicht gefordert. Offensichtlich reicht ansonsten die Grundstücksfläche nicht aus. Der Eigentümer will den Zaun laut Sitzungsvorlage der Stadt ja auf die Grenze setzen.“

Bei der Unteren Bodenschutzbehörde hat sich „Die Glocke“ auch nach einer möglichen Belastung des Grundwassers mit Schad- und Giftstoffen als Folge der Müllablagerungen in den 60er-Jahren in dem Bereich erkundigt. Und außerdem gefragt: Werden noch regelmäßig Kontrollen vorgenommen, sprich Boden- und Wasserproben analysiert? „Die Altablagerung wurde in den 80-er und 90-er Jahren auf mögliche Gefährdungen von Schutzgütern untersucht“, teilt die Pressestelle der Kreisverwaltung mit. Dabei seien im Grundwasser Schadstoffe nachgewiesen worden, die auf die Ablagerungen der Müllkippe zurückzuführen seien. Aufgrund der Konzentrationen seien jedoch keine Sanierungsmaßnahmen erforderlich gewesen. Stattdessen sei eine mehrjährige Beobachtung der Grundwassersituation durch Probennahme und Untersuchungen erfolgt. Auch aus diesen Ergebnissen sei bisher kein Handlungsbedarf abzuleiten gewesen. Die besagten Bäume auf dem Areal sollen nun laut Beschluss des Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschusses noch im Laufe dieses Monats gefällt werden. Lediglich die Grünen im Gremium enthielten sich der Stimme.

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