Wenn Covid-Impfstoff übrig bleibt


Kreis Gütersloh (lw) - Das Impfzentrum verkürzt die Öffnungszeiten. Der Impfbus des Kreises verbraucht nicht alle Dosen bei den Vor-Ort-Terminen. Und auch die Ärzte haben immer mehr Kapazitäten. Aber was passiert eigentlich mit dem Impfstoff, wenn er nicht gebraucht wird? 

Zunächst ein Umstand, der sowohl die Arztpraxen wie auch das Impfzentrum betrifft: Astra Zeneca wird so gut wie gar nicht mehr bestellt. „Die Nachfrage ist deutlich eingebrochen“, sagt Dr. Nina Grunsky vom Apothekerverband Westfalen-Lippe. 

Zum Hintergrund: Während das Impfzentrum die Dosen beim Land bestellt, gehen die Arztpraxen über die Apotheken. Zentral erfasst würden die Bestellmengen aber nicht, erklärt Nina Grunsky. Seit Kurzem dürfen Ärzte und Apotheken nicht benötigte Impfdosen in der Nähe an andere Ärzte weitergeben. Ob auch schon Vakzine vernichtet werden mussten, weil sie abgelaufen waren, kann dabei nicht mehr nachvollzogen werden. 

Impfstoffgeschenke mussten abgelehnt werden

An das Impfzentrum können die Apotheken und Ärzte übriggebliebene Impfdosen übrigens nicht abgeben. „Wir mussten Impfstoffgeschenke ablehnen“, erklärt Kreis-Sprecherin Beate Behlert auf Anfrage. 

Und Carsten Duif vom Gesundheitsministerium des Landes NRW stellt klar: „Derzeit hat das Land in den Impfzentren keine Verwendung für den Impfstoff Astra Zeneca, da es auch hier keine ausreichende Nachfrage gibt.“ Eine Annahme des Impfstoffs von der niedergelassenen Ärzteschaft und den Betriebsärzten würde nicht weiter führen. Zumal die Impfdosen Eigentum des Bundes seien. 

Ein Teil konnte ans Land zurückgegeben werden

Deswegen dürfe das Land auch beispielsweise keine Mengen an Drittstaaten spenden. Der Bund sei aber in Gesprächen mit den Impfstoffherstellern (Anpassung der bestehenden Lieferverträge) als auch mit Drittstaaten. „Der Bund wird dafür zeitnah einen logistischen Prozess auf den Weg bringen, um die Impfstoffe abzuholen“, so Duif. 

Bisher ist es beim Impfzentrum Gütersloh so, dass ein Teil der nicht benötigten Impfdosen an das Land zurückgegeben werden konnte. Carsten Duif nennt konkrete Zahlen: Der zuständige Lagerist hat 128 Vials (Fläschchen) Astra Zeneca abgeholt, die Ende Oktober und Ende November ablaufen. Und auch Moderna ist im Impfzentrum nicht mehr nachgefragt. Davon wurden 50 Vials abgeholt, die bereits am 2. und am 4. August ablaufen. 

Bei den jetzigen Beständen im Impfzentrum gebe es nicht die Gefahr, dass sie vernichtet werden müssten. „Gute Disponenten sorgen dafür, dass noch nichts verfallen ist und auch in Kürze nichts verfällt“, erklärt Beate Behlert.

Entsorgung ist die letzte Alternative

Zusammengefasst: Arztpraxen und Apotheken können sich untereinander Vials abgeben, so lange die Kühlkette gewahrt wird. Das Impfzentrum kann nicht benötigte Mengen ans Land zurückgeben. Und was passiert dort mit dem Impfstoff? „Innerhalb des Landes schauen wir, ob es in einem anderen Impfzentrum oder einem mobilen Team Verwendung für die in Gütersloh nicht benötigten Vakzine gibt“, erklärt Pressesprecher Carsten Duif. Derzeit gebe es zahlreiche Impfaktionen mit mobilen Teams. 

Gebe es keine weitere Verwendung, würden die Impfstoffe an den Bund als Eigentümer zurückgeschickt, sofern sie noch eine Haltbarkeit von zwei Monaten haben. „Andernfalls – und dies ist die wirklich letzte Alternative – müssen die Dosen entsorgt werden“, so Duif. Soll heißen: Die 50 Vials mit Moderna – sollten sie nicht anderswo gebraucht werden – werden also vernichtet.

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