Werkstätten im Wechselfieber



Vellern (nik) - „Einmal auf Winterreifen wechseln?“, fragt Sandra Giese am Empfangstresen. Der Kunde nickt, gibt seinen Autoschlüssel ab und setzt sich in die Warteecke der Werkstatt AG Automobiltechnik in Vellern. Es ist die Zeit gekommen, dem Auto Winterreifen zu verpassen – der große Ansturm bleibt noch aus.

Mit einem Schlagschrauber befestigt Alexander Giese, Inhaber der Werkstatt AG Automobiltechnik in Vellern, den Winterreifen bei diesem Fahrzeug. Es ist die Zeit gekommen, von Sommer- auf Winterreifen zu wechseln.

„Mittlerweile ist es entzerrter“, sagt Alexander Giese, Inhaber von AG Automobiltechnik. Manche würden sich sehr früh melden, viele erst auf den letzten Drücker, wenn der erste Schnee rieselt. Dabei gilt laut Gesetzgebung, eine der Witterung angepasste Bereifung zu benutzen. „Die Faustformel für Winterreifen lautet von ‚O bis O’, also von Oktober bis Ostern. Daran sollte man sich halten“, erklärt Alexander Giese. Deshalb sollten sich Autofahrer trotz des goldenen Herbstes Gedanken über den Reifenwechsel machen, rät der Kfz-Meister.

Gefahr durch Sommerreifen

Denn sinkt die Außentemperatur auf einen Wert von unter sieben Grad, kann das Fahren mit Sommerreifen gefährlich werden. „Dieser Reifen besteht aus einer härteren Mischung und kann bei Kälte nicht mehr den Kontakt zur Fahrbahn halten“, sagt der 43-Jährige. Die Folge: Ein veränderter Bremsweg und ein anderes Kurvenverhalten. Zudem ist das Fahren mit Sommerreifen im Winter ein „Angriffspunkt für Versicherungen“. Beim Unfall würde einem womöglich automatisch eine Teilschuld zugesprochen.

In der Werkstatt ist ein VW Golf aufgebockt. Als Erstes geht Alexander Giese zu einer Maschine, die in einer anderen Ecke steht. „Wir kontrollieren dort die Unwucht“, sagt der gebürtige Bochumer. Durch den Reifenverschleiß und Bremsvorgänge entsteht eine Unwucht, was bedeutet, dass der Reifen nicht zu 100-prozentig rund läuft. „Das sollte man regelmäßig kontrollieren lassen, denn dadurch entsteht ein höheres Sicherheitsrisiko“, rät der Experte. Nach und nach steckt er die Reifen in die Maschine. Und tatsächlich: An einer Felge muss ein 25 Gramm schweres Ausgleichsgewicht befestigt werden.

Luftdruck der Reifen kontrollieren

Der Rest ist für ihn Routine: Er montiert die Sommerreifen ab, befestigt mit einem Schlagschrauber die Winterreifen und schaut auf einer Tabelle den Drehmoment nach: 120 Newtonmeter sind es bei einem VW Golf . Mit einem Drehmomentschlüssel zieht er die Schrauben nach. Er kontrolliert den Luftdruck der Reifen – es passt alles. Jetzt steht dem Kunden für eine Autofahrt beim ersten Schnee nichts mehr im Wege.

„Viele glauben nicht, was man bei einem Reifenwechsel alles falsch machen kann“, sagt Alexander Giese. Die Radkappe dürfe nicht zu fest oder zu lasch angeschraubt werden. „Man sollte sich an den Drehmoment halten, den der Fahrzeughersteller empfiehlt“, erklärt der Experte. Nicht vergessen werden dürfe, die Radnabe zu säubern. „Wenn sich dort noch Schmutz befindet, dann sitzt die Felge nicht ordentlich auf der Nabe.“ Das erhöhe das Sicherheitsrisiko.

Haftung nimmt bei zu geringer Profiltiefe ab

Wer seine Reifen selbst einlagert, sollte darauf achten, dass sie im Trockenen und Dunkeln liegen. Der Inhaber von AG Automobiltechnik in Vellern empfiehlt, die Reifen nicht alle aufeinander zu stapeln. „Sonst bekommen sie Druckstellen.“ Winterreifen sollten auf jeden Fall noch eine Profiltiefe von vier Millimetern haben – ansonsten nehme die Haftung, die bei Schnee wichtig sei, deutlich ab. Wer neue Reifen braucht, sollte auf die Marke achten. „Es muss nicht teuer sein, aber hängt mit der Technologie und Entwicklung zusammen.“

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