Wie wieder mehr Menschen zur Wahl gehen


Wie bekommt man mehr Menschen an die Wahlurne? Ein Experte der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung hat mehrere Ideen.

Bei der NRW-Landtagswahl war die Beteiligung historisch niedrig.  Foto: dpa

Düsseldorf/Gütersloh (dpa/pa) - Angesichts einer historisch niedrigen Beteiligung an der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen fordert ein Experte, die Art und Weise des Wählens besser an die heutigen Lebensgewohnheiten der Menschen anzupassen.

Digitalisierung voranbringen

„Entweder digitalisiert oder indem man beispielsweise die Briefwahlunterlagen automatisch mit den Wahlbenachrichtigungen an alle Wahlberechtigten verschickt, also man sie nicht extra beantragen muss“, sagte Robert Vehrkamp, Demokratieforscher der Bertelsmann-Stiftung, am Dienstag im WDR. „Oder dass man auch in den Tagen vor einer Wahl ermöglicht, in bestimmten Wahllokalen seine Stimme abzugeben.“

Ein weiterer Vorschlag sei, das Wahlalter abzusenken und die Erstwahl damit in die Schulzeit zu verlegen, „weil das die Möglichkeit geben würde, auch Jugendliche aus wählerferneren Milieus an die Wahl heranzuführen, ihnen zu erklären, wie das geht, und wir wissen aus der Wahlforschung, dass derjenige, der bei seiner ersten Wahl teilgenommen hat, das auch in seinem weiteren Lebensverlauf sehr regelmäßig tut“. Es seien vor allem die sozial prekären Milieus, die einkommensschwächeren und bildungsferneren Milieus, die sich zunehmend von der aktiven Wahlteilnahme verabschiedeten.

Wahltermine bündeln

Die zur NRW-Landtagswahl durchgeführte Juniorwahl an Schulen zeigt, dass das Interesse der jungen Generation vorhanden ist. Die Beteiligung daran lag deutlich höher als bei der Landtagswahl selbst.

Vehrkamp empfahl außerdem eine Bündelung von Wahlterminen. Einzeln stattfindende Kommunal- und Landtagswahlen seien eigentlich aus der Zeit gefallen.

An der Landtagswahl in NRW hatten sich nur 55,5 Prozent beteiligt. Schlusslicht waren Bezirke in Duisburg, Gelsenkirchen und Wuppertal. Im Kreis Gütersloh lag die Beteiligung lediglich bei 52,7 Prozent, im Kreis Warendorf war sie wesentlich höher mit 62,4 Prozent.

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