Wildpflanzen blühen für Biogas



Kreis Gütersloh (mn) - Im Winter hat Jörg Düfelsiek (40) noch gedacht, „das soll wohl nichts werden“. Auch im Frühjahr hätte der Landwirt aus Steinhagen die Fläche wegen des „eher geringen Aufwuchses fast noch umgepflügt“. Fachleute rieten ihm ab – zu recht, wie sich herausgestellt hat.

Teilweise mannshoch sind die mehrjährigen Energie-Wildpflanzen auf dem Hof Düfelsiek in Brockhagen.  m Herbst werden sie gehäckselt und in der nahen Biogasanlage zusammen mit Silomais und Grünroggen in Methangas umgewandelt: (v. l.) Ulrich Bultmann (Landwirtschaftskammer), Landwirt Jörg Düfelsiek, Maria Vaske (Gemeinde Steinhagen), Klimaschutzmanager Henning Korte (Kreis Gütersloh) und Conny Oberwelland von der Biologischen Station Bielefeld-Gütersloh.

Denn seitdem haben sich die Blühpflanzen „phänomenal entwickelt“. Teilweise mannshoch, warten Kamille, Beifuß, Malven und Lichtnelken darauf, demnächst in der nahen Biogasanlage verarbeitet zu werden.

Jörg Düfelsiek ist nach Angaben von Klimaschutzmanager Henning Korte vom Kreis Gütersloh einer von sieben Landwirten, die kreisweit an dem Pilotprojekt „Blühpflanzen für Biogas“ teilnehmen. Auf unterschiedlichen Böden – insgesamt zwölf Hektar – wird außer in Steinhagen auch in Borgholzhausen, Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz, Rietberg und Werther getestet, welche Mischung von mehrjährigen Energiewildpflanzen am besten für den Einsatz in Biogasanlagen – auch als Ergänzung zum üblichen Mais – geeignet ist.

Ökologische Vielfalt fördern

Der Kreis Gütersloh, der eng mit der Landwirtschaftskammer, der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld und den Kommunen zusammenarbeitet und die Kosten des Saatguts in Höhe von 300 Euro je Hektar trägt, ist mit diesem Projekt in Ostwestfalen-Lippe Vorreiter. Im Nachbarkreis Warendorf läuft diese Initiative bereits länger. „Wir sind mit der Entwicklung aller Flächen sehr zufrieden“, sagt Korte. Biogas sei ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzkonzepts, so der Kreis-Experte.

Das sieht auch Ulrich Bultmann von der Landwirtschaftskammer so. Die oftmals fehlende Akzeptanz des Biogases mache sich nicht an der Technik fest, sondern an der sogenannten Vermaisung der Landschaft, da der Mais bei der Methangasproduktion hinsichtlich Masse und Ertrag unschlagbar sei. „Aber wie die Politik wollen auch wir als Kammer Vielfalt auf dem Acker“, hebt der Leitende Landwirtschaftsdirektor ausdrücklich die ökologischen Vorteile für Artenschutz und Landschaftsvielfalt hervor.

12 Hektar Versuchsflächen im Kreis

„Auf dem Feld ist richtig was los“, sagt Jörg Düfelsiek und verweist auf ein „enormes Insektenaufkommen“. Bienen, Hummeln, Spinnen, dazu Feldvögel, Fledermäuse und andere Tiere – Conny Oberwelland von der Biologischen Station nennt einige Nutznießer der 25 Sorten an Blühpflanzen auf der 0,7 Hektar großen Fläche. Vorteile sieht Ulrich Bultmann auch für Hasen, Rebhuhn, Fasan und andere Tiere, was wiederum die Jäger freue.

Ob sich der Versuch am Ende auch für Jörg Düfelsiek auszahlt, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich stehen höheren Ausgaben für das Saatgut und vermutlich etwas geringeren Erträgen als beim Mais die nur einmalige Aussaat in etwa zehn Jahren sowie geringere Bearbeitungskosten gegenüber. Unter Laborbedingungen soll daher im Herbst ermittelt werden, wie viel Methangas die Bakterien in der Anlage aus Fenchel und Co. herausgeholt haben.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Kreisseite Gütersloh in der „Glocke“ vom 14. Juli.

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