Wo liegt Westfalens Mittelpunkt?



Beckum (scl) -  Wo genau liegt eigentlich Westfalens geografischer Mittelpunkt? Wer immer dachte, der sei definitiv in der Beckumer Bauerschaft Dalmer zu finden, wird nun auf dem Hof Spierling in Welver-Scheidingen an einem dort aufgestellten Gedenkstein eines Anderen belehrt.

An einem dieser Strommasten in der Bauerschaft Dalmer prangte geraume Zeit ein Schild, das den Mittelpunkt Westfalens markierte. Die Gemeinde Welver ist da anderer Ansicht.

Welvers Bürgermeister Ingo Teimann hat am Wochenende  den Stein enthüllt, der auf den speziellen Ort aufmerksam machen und gleichzeitig die westfälische Identität veranschaulichen soll, wie es in einem Medienbericht heißt.

Ausgewiesener Experte für die „Mittelpunkt-Frage“ ist allerdings ausgerechnet ein Beckumer. Dr. Rudolf Grothues, Stellvertretender Bürgermeister und Geschäftsführer der Geografischen Kommission für Westfalen, hat sich mit diesem Thema intensiv befasst.

Nimmt man den nördlichsten, östlichsten, südlichsten und westlichsten Punkt Westfalens und verbindet die Koordinaten zu einem Rechteck, so liegt dessen Mittelpunkt tatsächlich bei Scheidingen, wie Grothues ermittelt hat. Allerdings zeigt er auch alternative Berechnungsmethoden auf, die zu anderen Ergebnissen führen.

Zum Beispiel die Festlegung eines Umkreismittelpunkts für Westfalen, der im Süden Beckums, nahe der Kreis- und Gemeindegrenze zu Lippetal-Lippborg, liegt. Nur unwesentlich verschiebt sich dieser Punkt bei Anwendung des Schwerpunkt-Prinzips. Grothues verweist auf ein Experiment von 1982, für das eine Westfalenkarte exakt aufgeklebt und die Trägerplatte auf einer Nadelspitze austariert wurde. Ergebnis: Der Schwerpunkt liegt nur etwa einen Kilometer östlich vom Umkreismittelpunkt entfernt. Also ebenfalls im Grenzbereich Beckum-Lippetal.

Ein ähnliches Resultat ergibt sich bei digitaler Schwerpunktberechnung mit leichten Unterschieden je nach verwendetem Kartenmaterial. Immer jedoch findet sich danach der Mittelpunkt Westfalens im Grenzbereich Beckums und des südlichen Nachbarn.

Ein anderes Bild ergäbe sich nach Grothues’ Darstellung jedoch, wenn keine zwei-, sondern eine dreidimensionale Schwerpunktermittlung erfolgt. Dann läge das Zentrum wegen der großen Höhen im Sauer- und Siegerland weiter südlich. Vielleicht in Welver?

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