Womit die Natur nicht rechnen konnte



Harsewinkel (sib) - Erstmals hat der Harsewinkeler Hegering in diesem Jahr eine rund 10 500 Euro teure Drohne eingesetzt, um Rehkitze vor dem Mähtod zu rechnen. Die Stadt hatte das Gerät angeschafft. Mittlerweile ist die Saison beendet. Die Ergebnisse präsentiert Rolf Bellmann vom Hegering.

der Rehkitz-Rettungsaktionen mittels Drohne sprechen Rolf Bellmann (links) und Ralf Hustert vom Hegering. Im kommenden Jahr soll das Gerät wieder zum Einsatz kommen.

Dessen Stimme ist am Telefon geradezu überschwänglich. Er spricht von hundertprozentigem Erfolg. Und von Helfern, die allzeit bereit waren. Von Tieren, die sonst kaum gefunden worden wären und von der Absicht, die digitale Unterstützung im nächsten Jahr wieder einzusetzen. 

In den frühen Morgenstunden unterwegs

Von Anfang an: Unter anderem auf Bitten des Hegerings hatte die Stadt Harsewinkel Anfang des Jahres eine Drohne angeschafft. Zur Hauptsetzzeit – so nennen Jäger die Spanne, in der Rehkitze geboren werden – stellte die Kommune das Gerät den Waidmännern Verfügung. 

Vom 20. April bis zum 20. Juni waren Jäger und Helfer unterwegs. Und das meist in den frühen Morgenstunden. 

Drohne ermittelt Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken

Gegen halb fünf hätten sich die Verantwortlichen, die in einer 25 Personen starken Whatsapp-Gruppe organisiert seien, auf einer abgesprochenen Fläche getroffen, berichtet Rolf Bellmann. Viele von ihnen seien Studenten oder Schüler. Einer, manchmal auch zwei Personen hätten dann die Drohne gesteuert und mittels Wärmebildkamera ermittelt, ob und wo auf dem Feld Rehkitze im hohen Gras versteckt seien. Vier, fünf „Läufer“ genannte Freiwillige hätten die Tiere dann mit Handschuhen und Grasbüscheln in Sicherheit getragen. 

Woher kommt eigentlich dieser Instinkt von Rehkitzen, bei drohender Gefahr nicht davonzulaufen, sondern flach und still auf dem Boden zu kauern? Darauf gibt Rolf Bellmann Antwort: „Das ist Überlebensinstinkt. So können natürliche Feinde wie Waschbär und Fuchs schlechter die Witterung des Rehs aufnehmen.“ 

An 28 Tagen 79 Tiere gesichert

Eigentlich ein kluger Schachzug der Natur. Dumm nur, dass sie die Rechnung ohne Mähdrescher mit sechs Metern Arbeitsbreite und 15 Kilometern pro Stunde gemacht hat. 

Und wie lautet das Endergebnis der Rettungsaktionen? Darüber informiert Ralf Hustert vom Hegering und ergänzt die Ergebnisse von Ende Mai. An 28 Tagen sei die Drohne im Einsatz gewesen und dabei über 114 Flächen geflogen – insgesamt mehr als 310 Hektar und 278 Kilometer Flugstrecke. Gerettet wurden dabei 77 Rehkitze und zwei Junghasen. Rekordtag sei der 20. Mai gewesen. Auf neun verschiedenen Flächen wurden an diesem Tag zwölf Kitze gesichert.

Lektionen für die nächste Saison

In den Vorjahren haben die Jäger ohne digitale Unterstützung ihre Hunde über die Felder gejagt, um Rehkitze aus ihren Verstecken zu locken. Das Vorgehen mit der Drohne sei einfacher, sagt Rolf Bellmann. Das Gerät, das die Stadt außerhalb der Saison nutze, um etwa Bauten zu überfliegen, werde 2021 wieder eingesetzt. 

Aller Anfang ist schwer: Es gebe durchaus Lektionen, die der Hegering aus der jüngsten Saison mitnehme, erläutert Bellmann. Etwa, dass die Organisation der Rettungsteams durchaus optimiert werden könne. Und der Umgang mit der Drohne. Anfangs sei es nicht einfach gewesen, bei einem kleinen Punkt auf dem Wärmebild zu unterscheiden, ob es sich um ein Rehkitz oder um einen warmen Maulwurfshügel handele. 

„Es ist ein tolles Gefühl, Leben zu retten“

Summa summarum: „Wer einmal mitgemacht hat, hat große Freude an den Aktionen. Das haben wir an den Helfern gemerkt. Es ist ein tolles Gefühl, Leben zu retten“, sagt Rolf Bellmann. Der Erfolg der Saison gebe den hiesigen Jägern Recht im Einsatz der Drohne. Nicht ein Rehkitz sei in diesem Jahr unter den Mähdrescher gekommen – für Bellmann ganz eindeutig auch das Ziel fürs kommende Jahr.

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