10 Ahlener erkämpfen Remis gegen Lippstadt



Die einen kämpfen wie die Löwen, bei den anderen wird der Druck immer höher. Ein Mann mehr kann im Fußball eine schwere Bürde sein.

Kämpfen können sie: Torschütze David Mamutovic (r.) im Kopfballduell gegen den Ex-Ahlener Mohamed El-Bouazzati.

Ahlen (uwe) - Es muss doch einmal gesagt werden: Überzahl wird überschätzt. „Die existiert nur im Kopf“, denkt  Andreas Zimmermann an die gegnerischen Spieler, die hinten nur gelangweilt zugucken. „Vor dem eigenen Strafraum gibt‘s die nicht.“ Und diese Angst, die hätten seine Spieler unfassbar gut in den Griff bekommen. Wer braucht schon elf Mann, wenn es zehn auch tun? Wieder einmal lieferte RW Ahlen eine kämpferisch wie emotional große Leistung ab und zwang dem am Ende ratlosen SV Lippstadt ein 1:1 ab.

Und das eben seit der 8. Minute mit einem Spieler weniger. Oktay Dal hatte gegen den flinken Paolo Maiella als letzter Mann die Notbremse gezogen und wurde mit Rot sehr zeitig in die Katakomben verbannt. Das Ergebnis war eine numerisch nachvollziehbare Lippstädter Überzahl, die sich aber auf dem Rasen kaum auszahlte. Denn Ballbesitz bedeutet nicht automatisch auch Gefahr, was David Mamutovic schon nach 20 Minuten nachwies: Holldack läuft Schlüsselburg den Ball ab, gibt zum kreuzenden  Mamutovic, der entspannt zum 1:0  ins Eck trifft.

RW Ahlen hatte sich etwas mehr zurückgezogen, Eickhoff übernahm den Posten des fehlenden Innenverteidigers Ioannidis rückte in die rechte Kette  - so gewannen die Gastgeber die Stabilität zurück und ließen sich nicht von schnellen Ausgleich schrecken. Matter hatte Holldack den Ball abgeluchst und zog zum 1:1 ab (28.). Ein Schönheitsfehler, den die Rotweißen vielleicht ausgemerzt hätten, wäre da nicht noch der starke Lippstädter Torhüter gewesen. Balkenhoff parierte im Anschlus zweimal genial gegen den starken Ivan und nochmal gegen Mamutovic. Im Gegenzug war es zwar Szczepankiewicz, der Lippstadts Maier den Ball wegschnappte (39.). Aber Überzahl? Die war gerade mal zu erkennen, wenn man nachzählte.

„Nach der Pause wollten wir auf unsere Chance lauern, spielerische Lösungen waren ja schwer geworden“, verriet Zimmermann. Tatsächlich schien Lippstadt dominant, aber eben auch ideenlos. Die eigene Überzahl erwies sich als Treibanker, der die Beine schwer machte. Nicht jedoch die von Balkenhoff, der Lippstadt vor einer möglichen - peinlichen - Niederlage bewahrte. Nachdem Ioannidis nach Vorlage Ivans frei über das Gebälk getroffen hatte (61.), war es wieder Lippstadts Schlussmann, der vor dem blank abziehenden Ivan den Ball in letzter Not abwehrte (70.). „Den Lucky Punch musst du natürlich setzen. Mit einem anderen Torwart beim Gegner hätten wir das Ding gewonnen“, stellte Zimmermann mit einem bedauernden Lob fest. Hatte aber noch eins für seine Jungs: „Ich hab hier eine überragende Mannschaft, die weiß es nur noch nicht. Das muss in die Köpfe nur noch rein!“ Ob er ab jetzt nur noch mit zehn Mann spielen will, ließ der Trainer aber noch offen.

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