Jungs aus Kölle zocken, RW Ahlen verzockt sich



Wieder gut gedacht, und jetzt tatsächlich böse ausgegangen. Denn diesmal war taktisch nichts mehr zu reparieren.

Der Stabilisator war säumig: Kevin Kahlert (vorn) sollte nach der Pause die Abwehr strukturieren. Die Maßnahme kam gegen das reaktionsschnelle Köln zu spät.

Ahlen (uwe) - Was in Wiedenbrück gerade noch gut ging, zuhause gegen die kleinen Kölner geriet es zur Katastrophe. Mit der ernüchternden 2:6-Niederlage erhielt RW Ahlen eine taktische Lehrstunde in Sachen Flexibilität und Schnelligkeit.

 „Ahlen will zocken, die wollen Fußball spielen“, war Kölns Co-Trainer Sven Herrmann vorab gut informiert. „Das ist gut für uns!“ Vorteil durch Wissen: denn Ahlens Strategie spielte dem „Eff-Zeh“ von Beginn an in die Hand. Kölle zockte, ja, und Ahlen verzockte sich.

Die hoffnungsfrohe 1:0-Führung an diesem Freitagabend durch Marzullo nach einem rasanten Konter über Holldack, Ioannidis und Anan (6.) erwies sich später als nichts anderes als ein Kölner Betriebsunfall. Die Gäste schnitten nämlich bis zur Pause durch Ahlens Abwehr wie ein heißes Messer durch Butter. Immer über links war die Kölner U23 gar nicht aufzuhalten. Das Resultat: Entspannte drei Tore fielen wie reife Früchtchen. Olesen war gleich mit zweien dabei (11./16.), Castrop macht ab der Strafraumgrenze gegen Anan noch das 3:1 (34.).

Noch Fragen? Ja, etwa, warum beide Mannschaften fast auf die lästige Abwehrarbeit verzichteten. Denn RW Ahlen blieb – bei aller Anfälligkeit hinten herum – im Konterspiel weiter gefährlich. Holldack und Marzullo scheiterten knapp, und nochmals Marzullo zeigte mit dem 2:3 aus dem Gewühle heraus (41.), dass noch nicht alles verloren schien. „Wir kommen in der Abwehr ja gar nicht in die Zweikämpfe“, staunte Manager Joachim Krug trotzdem.

Dachte auch Trainer Andreas Zimmermann, der in der Pause mit Kahlert und Wiesweg die fluffige Defensive stabilisieren wollte. Prima Idee, leider zu spät. Der gute Wille war schon zwei Minuten später pulverisiert, als wieder Olesen eine Ecke per Kopf ins Tor von Rückkehrer Velchikov bugsierte (47.).

Und das war es dann auch, der vierte Treffer war der Niederschlag, ein spielstarkes, taktisch und technisch überlegenes Köln ließ sich diesen Vorsprung nicht mehr vom Fuß spitzeln. Gut, die Abwehr stand nun sicherer als zuvor, dafür ging mit den vertickenden Minuten immer mehr der Glaube flöten.

Wieder Marzullo (knapp daneben) und Kahlert (Latte) hatten zwar noch ihre guten Kopfballszenen. Köln aber hatte die Tore: Zuerst staubt Obuz einen Schuss von Kuyucu zum 2:5 ab (76.), dann scheitert Jansen zuerst an Velchikov, macht es dann aber im nächsten Konter besser, als er den Querpass von Obuz lässig verwandelt und das halbe dreckige Dutzend voll macht. Kölle wie es singt und lacht ...

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