Die kleine Chance auf das Wunder von Hamm



Nach elfjähriger Abstinenz und schwierigen Jahren ist der ASV Hamm-Westfalen zurück in der Handball-Bundesliga.

Volle Ränge in der Westpress-Arena: Die Vorfreude auf die bevorstehende Bundesliga-Saison ist beim ASV Hamm-Westfalen groß. Mehr als 1200 Dauerkarten hat der Verein verkauft. „Die 1. Liga ist eine ganz andere Dimension. Wenn ich daran denke, dass hier bald die besten Handballer der Welt auflaufen, dann kribbelt es schon“, sagt Geschäftsführer Thomas Lammer. Foto: Wegener

Hamm (nd) - Der ASV Hamm-Westfalen ist zurück auf der großen Handball-Bühne. Elf Jahre nach dem Abstieg und der sportlich wie wirtschaftlich gescheiterten Fusion mit der Ahlener SG nimmt der Verein nun den zweiten Anlauf, sich in der stärksten Liga der Welt zu halten. Vor dem Saisonstart am Sonntag beim Deutschen Meister SC Magdeburg (14 Uhr, Sky) spricht nicht allzu viel für den Überraschungs-Aufsteiger, der als Abstiegskandidat Nummer eins gilt. 

Aber in dieser Rolle fühlen sich die Hammer vor dem zweiten Erstliga-Jahr ihrer Vereinsgeschichte durchaus wohl – und kämpfen um ihre kleine Chance auf den Klassenerhalt. „Die Vorfreude ist groß, die Euphorie nimmt von Tag zu Tag zu“, sagt Geschäftsführer Thomas Lammers. Was ist neu? Wie hat sich der ASV auf die 1. Liga vorbereitet? Das Wichtigste vor dem Start. 

Fans und Umfeld: 

Mehr als 1200 verkaufte Dauerkarten bedeuten eine Steigerung zur Vorsaison um knapp fünfzig Prozent. Für das erste Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am kommenden Donnerstag (8. September, 19.05 Uhr) sind bereits mehr als 2100 Karten über den Tisch gegangen. Der Verein rechnet mit einer ausverkauften Westpress-Arena. 

Kader: 

Sieben Spieler haben den Verein nach dem Aufstieg verlassen, acht neue sind gekommen – darunter die bundesliga-erfahrenen Mait Patrail (Rhein-Neckar Löwen), Björn Zintel (HBW Balingen-Weilstetten) und Alexander Schulze (TVB Stuttgart). Trotzdem hat Hamm nominell den schwächsten Kader aller Erstligisten. Der längere Ausfall von Spielmacher Zintel schmerzt, ein Ersatz ist noch nicht gefunden. Zwei, drei Kandidaten hatte der ASV im Blick, zu einer Einigung kam es bislang nicht. Lammers: „Wir beobachten weiter den Markt. Wenn wir noch einen holen, muss der uns sofort weiterbringen.“ 

Erwartungshaltung und Druck:

„Wir sind in einer Liga mit ausschließlich etablierten Erstligisten und wissen um unsere Außenseiterrolle – die wir annehmen, die aber durchaus auch charmant ist“, sagt Simon Kottmann, Leiter Kommunikation des ASV. „Ich glaube, dass es keine übertriebene Erwartungshaltung im Umfeld gibt.“ Bei zu erwartenden Niederlagenserie sei es wichtig, diese richtig einzuordnen und die Ruhe zu bewahren, betont Lammers. „Intern mache ich mir da keine Sorgen. Aber klar: Der Druck von außen über die Medien und Fans in Zeiten von Social Media wird eher kommen.“

Änderungen in der Westpress-Arena: 

Für den Liga-TV-Partner Sky musste die Lichtstärke in der Arena erhöht werden, 1500 Lux sind gefordert. Auch der Hallenboden ist jetzt einfarbig blau. Die Installation der Infrastruktur für eine komplexe Datenerfassung durch Kinexon habe die meiste Arbeit verursacht, sagt Geschäftsführer Lammers: „Alle Spieler tragen jetzt unterm Trikot eine Art BH mit einem kleinen Sender, der Laufwege, Herzfrequenz, Sprunghöhe und so weiter erfasst. Dafür mussten unter der Hallendecke 18 Sender verbaut und 1,5 Kilometer Kabel verlegt werden.“ 

Spiele in der Dortmunder Westfalenhalle vor einem deutlich größeren Publikum als in der Westpress-Arena sind für die Rückrunde geplant, aber noch gibt es dazu nichts Konkretes. 

Chancen auf den Klassenerhalt: 

„Wir sind Realist genug und wissen, dass wir von allen als erster Absteiger gesetzt sind“, sagen Lammers und Kommunikationschef Kottmann unisono, betonen aber auch: „Wenn wir bei allem Respekt vor der Stärke der Liga nicht von unserer Chance überzeugt wären, dass wir es schaffen können, wäre das schon der erste Schritt zurück in die 2. Liga. Wir glauben, dass wir konkurrenzfähig sind.“

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