Erzbistum Paderborn arbeitet sexuellen Missbrauch auf


Auch im Erzbistum Paderborn ist der Missbrauch durch Geistliche Thema. Eine unabhängige Kommission soll dies nun aufarbeiten.

Weitere Untersuchung gestartet: Das Erzbistum Paderborn lässt den sexuellen Missbrauch durch eine unabhängige Kommission aufarbeiten. Dieser gehören auch zwei Betroffenenvertreter an. Foto: dpa

Paderborn (gl) - Die Mitglieder der unabhängigen Aufarbeitungskommission für das Erzbistum Paderborn haben mit ihrer Ernennung am Dienstag offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Die siebenköpfige Kommission soll nach verbindlichen Kriterien die unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn weiter voranbringen.

Auch die Amtszeit des aktuellen Bischofs im Blick

Die Aufarbeitungskommission für das Erzbistum Paderborn setzt sich vorerst wie folgt zusammen: Johannes Keders (Präsident des Oberlandesgerichts a. D., Hamm, Foto), Eva Brockmann (Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Paderborn), Professorin Dr. Ute Ritterfeld (Universität Dortmund, Psychologin); Birgit Cirullies (Leitende Oberstaatsanwältin a. D., Dortmund); sowie aus dem Kreis der Betroffenen Reinhold Harnisch und Heinrich Sprenger.

Die vom Erzbistum unabhängige Kommission wird auch die Amtszeit von Erzbischof Becker (seit 2003) in den Blick nehmen. Dieser versicherte, dass er sich auch nach seinem angekündigten Ausscheiden aus dem aktiven Dienst nicht der Verantwortung entziehen werde und die Arbeit der Kommission unterstützen wolle. „Ich erhoffe mir, dass Sie mit Ihrem Einsatz dazu beitragen, die Umstände von Missbrauch in der Vergangenheit und in der Gegenwart in den Blick zu nehmen, begünstigende Strukturen zu identifizieren und das Leid der Betroffenen in den Fokus zu stellen“, betonte Becker. Er dankte den Mitgliedern der Kommission, dass sie für „diese nicht einfache Aufgabe“ zur Verfügung stehen.

Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mitgeteilt

Das Erzbistum hatte auch die sogenannte MHG-Studie aktiv unterstützt – das interdisziplinäre Forschungsprojekt zum Thema Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Das Erzbistum Paderborn war eines der wenigen Bistümer, die für diese Studie die Personalakten aller Geistlichen geprüft haben, die zwischen 1946 und 2015 im jeweils eigenen Verantwortungsbereich entweder eine Funktion ausübten oder sich im Ruhestand befanden. Die Erkenntnisse wurden der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, die anschließend uneingeschränkten Zugang zu den Akten erhalten hat.

Im Jahr 2019 erteilte Erzbischof Becker den Auftrag für ein unabhängiges Forschungsprojekt, das von einem Team der Universität Paderborn übernommen wurde mit dem Ziel einer kirchenhistorischen Einordnung unter dem Titel: „Missbrauch im Erzbistum Paderborn“. Dabei ging es um die Amtszeiten von Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002). Im gleichen Jahr wurde im Erzbischöflichen Generalvikariat die Interventionsstelle eingerichtet und konsequent ausgebaut, heißt es in einer Mitteilung des Bistums weiter.

Das Erzbistum Paderborn und die Aufarbeitungskommission rufen weiterhin dazu auf, dass sich alle Betroffenen melden und sich nach Möglichkeit bei der laufenden Studie beteiligen. Weitere Informationen stehen auf der Homepage des Erzbistums Paderborn.

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