Götz Alsmann: „Die Welt sollte westfälischer werden“



Der Westfale redet nicht gerne und nicht viel, lautet ein Klischee, Das wollten Experten in einer Podiumsdiskussion nicht so stehen lassen.

Entertainer Götz Alsmann ist ein waschechter Westfalen. Er findet, dass die Welt generell westfälischer werden sollte. Foto: dpa

Münster (gl) - Dort saßen Entertainer Götz Alsmann und Historiker Malte Thießen und sie lieferten sich auch keinen Schlagabtausch zur Frage „Westfalen – mehr als bodenständig?!“ Sie waren sich in ihrer Sympathie einig: Die Welt sollte westfälischer werden! „Ich bin skeptisch, dass es jenseits des Stammtisches noch den Urwestfalen gibt“, tat Götz Alsmann am Dienstagabend im Museum für Kunst und Kultur in Münster kund.

Den typischen Westfalen gibt es gar nicht mehr

Mit dem Leiter des Instituts für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Moderatorin Stephanie Heinrich gestaltete er den vierten Teil der Veranstaltungsreihe „Eigenartig einzigartig: Vier Regionen – vier Orte – ein Land Nordrhein-Westfalen“, die vom Haus der Geschichte NRW initiiert worden war. Auf unterhaltsame Weise sollten darin Vorurteile hinterfragt werden: Sind die Rheinländer immer jeck, die Lipper noch heute fürstlich, die Westfalen tatsächlich bodenständig? Und zeichnet den Ruhrpöttler mehr als „Maloche“ aus?

LWL-Direktor Matthias Löb zeigte sich gespannt, was an dem Abend von den Westfalen-Klischees „übriggelassen“ würde. Und so erfuhr er von den beiden Professoren, dass es den typischen Westfalen gar nicht mehr gibt.

Weltoffenes Leben in Region möglich

Das Gebiet sei in ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit eher eine „Wundertüte“, fand der gebürtige Hamburger Thießen. Gut 45 Minuten mit der Bahn führten durch ganz unterschiedliche Traditionen. „Engstirnig und borniert habe ich die Menschen nie erlebt“, versicherte er. Im Gegenteil: „Diese Vielfalt zu leben und sie zum Markenkern zu machen, finde ich großartig.“ Und bodenständig zu sein, bedeute doch, da zu sein, wo das Leben ist.

„Wir haben den Anschluss an die Welt nicht verpasst“, machte Alsmann glaubhaft. Wer wolle, habe immer ein weltoffenes Leben führen können, man habe sich nur trauen müssen.

Alsmann vermisst dann doch etwas

Was den Künstler wundert: dass er immer als Westfale tituliert wird. Das passiere Menschen aus anderen Regionen nicht so häufig. „Vielleicht haftet mir aber auch eine gewisse Pumpernickeligkeit an“, erklärte der Musiker selbstironisch. Und bei aller Liebe zu seiner Heimatstadt gebe es doch Dinge, die er vermisse, etwa einen klassischen Herrenausstatter und ebensolche Cafés.Historiker Malte Thießen (v.l.), Moderatorin Stephanie Heinrich und Entertainer Götz Alsmann. Foto: Kutzendörfer

Regelrecht ärgerlich findet er, dass der SC Preußen es nicht geschafft hat, die vielen Studenten an den Fußball zu binden. Aber dass der Münsteraner offener dem Land gegenüber ist, als umgekehrt, davon ist er überzeugt.

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