Heimische Wirtschaft: Aufschwung auf wackeligen Beinen


Die heimische Industrie ist laut der IHK Nord Westfalen aus dem Gröbsten raus. Dennoch mahnt die Kammer zur Vorsicht.

Der Nachwuchs von heute ist die Fachkraft von morgen: Das wissen die Industriebetriebe im Münsterland und bilden daher gern aus. Foto: dpa

Münster (gl) - Den Einbruch der Konjunktur infolge der Pandemie hat die Wirtschaft im Bereich der IHK Nord Westfalen weitgehend überwunden. Das teilte die Industrie- und Handelskammer (IHK) gestern in Münster als Kernaussage ihrer Konjunkturumfrage mit. Jedoch sieht die Kammer Gefahren für einen nachhaltigen Aufschwung in Lieferengpässen, im Mangel an Fachkräften sowie bei den massiv gestiegenen Preisen für Energie und Rohstoffe.

„Stimmung ist größtenteils gut“

„Trotz erheblicher Unsicherheiten sind die Unternehmen zuversichtlich, dass sich die Erholung fortsetzt“, fasste IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel die Ergebnisse der Befragung zusammen, an der sich 330 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region beteiligt haben. „Die Stimmung in der Wirtschaft ist größtenteils gut, das Konjunkturklima insgesamt sogar besser als vor Ausbruch der Corona-Krise“, betonte Jaeckel.

Doch die weitergehende Erholung der regionalen Wirtschaft steht auf unsicheren Beinen. „Der konjunkturelle Schwung wird gedrosselt durch wachsende Risiken, die die Unternehmen sehr konkret spüren“, sagt Dr. Jaeckel. Konjunkturrisiko Nummer eins ist der Fachkräftemangel: Für 70 Prozent der Betriebe birgt er die größten Risiken für die weitere Entwicklung des eigenen Unternehmens. „Das ist ein historischer Höchststand in den IHK-Umfragen“, machte er klar. Vor Ausbruch der Corona-Krise lag der Anteil gut zehn Prozentpunkte niedriger.

Energiepreise setzen der Industrie zu

Auf Platz zwei der Rangliste der Konjunkturrisiken liegen die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. 59 Prozent der Befragten sehen diese als bedeutsames Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Zwei Jahre zuvor lag der Anteil nur bei 24 Prozent, kurz nach Ausbruch der Corona-Krise bei 12. Vor allem in der Industrie wird dieser Risikofaktor aktuell so hoch gewichtet wie nie (80 Prozent).IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. 

Als Zeichen für eine Trendwende wertet die IHK die Investitionsbereitschaft der Firmen. 35 Prozent planen mit höheren Ausgaben am heimischen Standort in den nächsten Monaten. In der Industrie ist es mit 47 Prozent sogar fast die Hälfte. Und mit erhöhter Investitionsbereitschaft und verbesserter Geschäftslage steige auch die Nachfrage nach Fachkräften: Fast jeder dritte Betrieb plane in den nächsten Monaten, die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen.

Stimmung hellt sich spürbar auf

Der Konjunkturklimaindikator, mit dem die IHK die derzeitige Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen in Nord-Westfalen an die Zukunft in einem Wert abbildet, ist um 13 auf 128 Punkte gestiegen. Damit liegt er deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Nur noch 7 Prozent der Firmen bezeichnen ihre Lage als schlecht, 49 Prozent bewerten sie als gut. „Es sind deutliche Aufholeffekte erkennbar“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. 

Im Herbst 2020 war die Lage für jeden vierten Betrieb schlecht, im Frühjahr des Vorjahres sogar für fast 40 Prozent der Betriebe. „Auch das Potenzial für weiteres Wachstum ist nach Einschätzung der Unternehmen vorhanden“, berichtete er. Schließlich gingen 28 Prozent davon aus, dass sich ihre Geschäfte weiter positiv entwickeln, nur 13 Prozent erwarteten, dass sie in den nächsten Monaten schlechter laufen.

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