Jede Brücke hat „Patientenakte“



Es ist kein Job wie jeder andere. Profunde Fachkenntnis ist ebenso gefragt wie Schwindelfreiheit und Teamgeist. Brückenprüfer garantieren die Sicherheit der Autobahnen. Sie haben viel zu tun.

Im Jahr 2019 ist die Talbrücke Nuttlar der Autobahn 46 für den Verkehr freigegeben worden. Bei der ersten Hauptprüfung sind an dem recht jungen Bauwerk keinerlei Mängel festgestellt worden. Fotos: Autobahn Westfalen

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Bestwig (gl) - Thorsten Ziolek und seine Kollegen von der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH sind als Brückenprüfer im Einsatz. Zwei Wochen lang haben sie gerade die im Jahr 2019 freigegeben A46-Talbrücke bei Nuttlar unter die Lupe genommen.

Dass Thorsten Ziolek keine Höhenangst hat, liegt auf der Hand. Deshalb steigt der Brückenbauingenieur der Autobahn Westfalen auch in 115 Metern Höhe in einen kleinen Metallkorb und fährt an vier Seilen aufgehängt die Brückenpfeiler rauf und runter.

A46-Talbrücke Nuttlar eine Besonderheit

Dennoch ist die Prüfung der A46-Talbrücke Nuttlar (Hochsauerlandkreis) auch für ihn eine Besonderheit: „Bei den meisten Menschen liegt die Schwelle fürs Wohlbefinden bei etwa 40 bis 50 Metern – und da sind wir hier weit darüber.“ 

Doch es ist nicht nur die Höhe, die Ziolek und seinem Team auf Nordrhein-Westfalens höchster Brücke vor Herausforderungen stellt. Das Tal des Schlehdornbachs ist sehr eng, „da pfeift häufig der Wind durch“, weshalb die Brückenprüfer der Autobahn Westfalen genau den Wetterbericht checken müssen, bevor sie nach Bestwig-Nuttlar fahren. Bei starken Böen könnte die Arbeit unter der Brücke zu gefährlich werden.

Prüfung dauert zehn Tage

Neun Frauen und Männer aus dem Bauwerksmanagement sind zwei Wochen auf der Talbrücke Nuttlar für die Hauptprüfung im Einsatz, dazu kommen noch Helfer einer externen Arbeitsbühnen-Firma. Zehn Tage lang prüfen sie die bis 2016 erbaute und 2019 für den Verkehr freigegebene Brücke auf Herz und Nieren, dazu kommt eine Woche mit Vor- und Nachbereitungen. Die Ingenieure begehen die Fahrbahn und den engen Brückenhohlkasten, fahren die Pfeiler ab, checken die Schutzeinrichtungen und klopfen von ihrer Arbeitsbühne – dem sogenannten Brückenuntersichtgerät – von unten mit einem Hammer gegen den Beton. 

Aber was hat ein Hammerschlag mit einer Brückenprüfung zu tun? „Kleine Schäden im Beton können wir häufig nicht sehen, aber schon früh hören. Und dieses Ankündigungsverhalten klopfen wir mit dem Hammer ab“, erklärt Ziolek.

Zufrieden mit der Baufirma

In Nuttlar treten keine Probleme auf, aber die Brücke ist im Vergleich zu vielen Bauwerken aus den 1960er- und 1970er-Jahren auch noch sehr jung. „Jede Brücke hat eine Patientenakte, aber diese hier ist noch dünn“, verrät Ziolek. „Selbst von den jungen Brücken ist Nuttlar ein Paradebeispiel. Die Brücke wurde sauber verarbeitet, wir waren damals sehr zufrieden mit der Baufirma, und das sieht man auch jetzt noch am Produkt.“ 

Brückenprüfungen werden in Deutschland in vier verschiedene Kategorien eingeteilt. Alle sechs Jahre gibt es eine ausführliche Hauptprüfung, wie hier in Nuttlar. Drei Jahre nach der Hauptprüfung erfolgt die sogenannte einfache Prüfung, bei der Ingenieure das Bauwerk begehen und besichtigen. In den Jahren ohne Prüfung führt die zuständige Autobahnmeisterei eine ausführliche Besichtigung durch. Und zusätzlich erfolgt zweimal jährlich eine systematische Beobachtung durch sachkundige Straßenwärter der zuständigen Meisterei.

Ingenieure und Fachleute händeringend gesucht

All das trägt dazu bei, dass Schäden am Bauwerk durch das Alter oder die starke Belastung frühzeitig erkannt werden. Bei 2330 Brücken im Niederlassungsgebiet Westfalen haben Ziolek und sein Team viel zu tun. Deshalb sucht die Autobahn Westfalen händeringend noch Ingenieure und weitere Fachleute für die Bauwerksprüfung.

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