Leerstand auf Bauernhöfen in Westfalen kreativ beheben



Auf vielen Bauernhöfen stehen Gebäude leer. Wie sich der Leerstand beheben lässt, zeigen mehrere Beispiele aus Westfalen.

Gelungenes Beispiel für die Umwandlung eines alten Bauernhofs: In Rödinghausen (Kreis Herford) ist innerhalb von zwei Jahrzehnten auf einem alten Hof ein hochkarätiger Veranstaltungsort für Hochzeiten und anderen Feiern entstanden. Foto: Paweltzik

Bad Sassendorf/Rödinghausen/Greven (gl) - Leerstehende Gebäude auf dem Bauernhof zu neuem Lebensraum umgestalten – diesen Gedanken hat mancher Landwirt in der Region schon kreativ in die Tat umgesetzt. Entstanden sind auf Basis dieser Idee nicht nur zusätzliche Unterkünfte für Ferienkinder, Monteure und Geschäftsreisende, sondern auch begehrter Wohnraum für Senioren und Menschen mit Handicap.

Mehrere Wohnformen auf Hof möglich

Landwirte, die sich für die Einrichtung derartiger Wohnprojekte in leerstehenden Gebäuden ihres Hofs interessieren, hatte die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nun in ihr Bildungszentrum Haus Düsse im Ortsteil Ostinghausen von Bad Sassendorf (Kreis Soest) eingeladen. Informiert wurde über Ferienwohnungen für den „Urlaub auf dem Bauernhof“, die feste Vermietung von Flächen an Dauernutzer sowie sogenannte Mietwohnungen mit Zusatzleistungen, wie sie von Senioren oder Menschen mit Beeinträchtigungen gern in Anspruch genommen werden. Rebecca Drees, Beraterin der Landwirtschaftskammer für Landservice-Dienstleistungen und Agrarmarketing in der Region Westfalen, sowie ihre Kollegin Lisa Soltau aus dem Rheinland berichteten über sämtliche Wohnformen, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb möglich sind, über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten, über potenzielle Zielgruppen, Wirtschaftlichkeit und rechtliche Rahmenbedingungen.

Ideen sind vielfältig

Als anschauliche Beispiele dafür, wie sich aus ehemaligem Leerstand attraktiver neuer Lebensraum gestalten lässt, verwiesen die beiden Referentinnen auf drei Projekte aus Westfalen. Der Kinderbauernhof von Marlies und Ludger Wigger in Greven (Kreis Steinfurt) bietet kleinen und großen Gästen Unterkunft für die Nacht in der Strohhalle, im Gästehaus, auf dem Zeltplatz oder in Ferienwohnungen. Brüngers Land-Wirtschaft der Familie von Sabine und Peter Jürging in Rödinghausen (Kreis Herford) hat sich binnen zweier Jahrzehnte vom Bauernhofcafé zu einem hochkarätigen Veranstaltungsort für Feierlichkeiten wie Hochzeiten entwickelt. Der Mehrgenerationenhof von Theo und Andrea Müller in Brilon (Hochsauerlandkreis) bietet Menschen verschiedener Altersgruppen ein gemeinsames Zuhause in familiärer Atmosphäre.

Hintergrund:

Bestehende Übernachtungsmöglichkeiten auf Bauernhöfen in der Region hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf ihrem Internetportal www.landservice.de zusammengefasst. Die Suchanfrage „Übernachten“ für den Kreis Warendorf zeigt bereits die Namen von fünf Betrieben an, für den Kreis Gütersloh wird bislang ein Hof genannt. Auf dem Portal gibt es darüber hinaus mannigfaltige Informationen über Hofläden, Bauernhofcafés, Pflanzenhöfe sowie Ferien- und Freizeitangebote auf Bauernhöfen. Direktvermarktung, Hühnerverleih, Crowdfunding, Tier- und Baumpatenschaften. (gog)

Die Kreativität seiner Berufskollegen bei der Erschließung neuer Aktivitätsfelder hatte Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), jüngst bei einem Pressegespräch in Leopoldshöhe (Kreis Lippe) gelobt. Die bunten Aktivitäten sprechen nach Ansicht des Bauernpräsidenten für eine lebendige Landwirtschaft. Beringmeier ist überzeugt davon, dass diese Ideenvielfalt die Arbeit auf den Bauernhöfen attraktiv macht – auch und gerade für die junge Landwirte-Generation.

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