Medizinische Fakultät OWL startet an Uni Bielefeld




Endlich ist es soweit: Nach mehreren Jahren Vorbereitung startet das Medizinstudium an der Universität Bielefeld.

Freuen sich über den planmäßigen Start der Mediziner-Ausbildung in Ostwestfalen-Lippe: (v. l.) NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, Dr. Stephan Becker (Kanzler der Universität Bielefeld), NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, Prof. Dr. Gerhard Sagerer (Rektor der Universität Bielefeld), Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen, NRW-Landtagspräsident André Kuper und Prof. Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL. Für den neuen Medizinstudiengang kooperiert die Uni Bielefeld mit drei Partnerkliniken und aktuell 60 Hausärzten. Mit dem neuen Hochschulangebot will die Landesregierung die medizinische und hausärztliche Versorgung verbessern. Uni Bielefeld/Sättele

Bielefeld (gl). „Also wenn ich noch einmal Medizin studieren wollte, dann wüsste ich, wo ich hingehen würde.“ Auch wenn er Bielefeld nicht explizit nannte – Mit diesem Spruch und einem Augenzwinkern machte Eckart von Hirschhausen gestern den Macherinnen und Machern der neuen Medizinischen Fakultät OWL an der Universität Bielefeld ein dickes Kompliment. Der Arzt, Medizin-Journalist und Moderator führte gewohnt unterhaltsam durch den Festakt zum offiziellen Start des Lehrbetriebs. Und stellte dabei zweifelsfrei fest: Hier herrscht echte Aufbruchstimmung.

Aufbruchstimmung

 Die spürten im erst am Vortag eingeweihten Hörsaalgebäude Y nicht nur NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), sondern mit vielen Gästen auch die ersten 60 Studierenden, die ihre Mediziner-Ausbildung in Bielefeld beginnen. Von einem „Projekt mit Strahlkraft“ sprach Uni-Rektor Prof. Dr. Gerhard Sagerer. Gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät, nutzte er die Gelegenheit, um der Landesregierung, aber auch den Mitstreitern in der Universität und der gesamten ostwestfälischen Gesundheitswirtschaft für den Einsatz zu danken. „Es war ein Kraftakt, der allen viel abverlangt hat“, betonte Sagerer. Als „enorme Chance für die Uni und die Region“ bezeichnete Dekanin Hornberg die Medizinische Fakultät, an deren Aufbau 700 Menschen engagiert mitgewirkt haben. 

Ein Riesenerfolg

Großen Respekt für diese Aufbauleistung vom Regierungsbeschluss im Sommer 2017 bis zum planmäßigen Start des Lehrbetriebs im Wintersemester zollte Der Arzt und Journalist Eckart von Hirschhausen hat die Festveranstaltung moderiert. Wissenschaftsministerin Pfeiffer-Poensgen. „Das ist ein Riesenerfolg für alle Beteiligten“. Sie betonte zugleich, dass die Landesregierung „Wort gehalten“ habe. Die neue Medizin-Fakultät in Bielefeld sei das zentrale Projekt der Landesregierung, um die Hochschulmedizin in NRW zu stärken und mehr Ärztinnen und Ärzte auszubilden. Der ehrgeizige Aufbauprozess imponierte auch dem Berliner von Hirschhausen: „Bei uns schafft man es in der Zeit nicht einmal, die Sprinkleranlage in einem Flughafen in Betrieb zu nehmen.“ Der Lehrbetrieb wird Zug um Zug aufgebaut. Gestartet wird mit 60 Studierenden, bis 2025 sollen die Kapazitäten für bis zu 300 Erstsemester geschaffen werden. Dass die Mediziner-Ausbildung in Bielefeld mit ihrem innovativen, interdisziplinären Ansatz neue Wege beschreitet, machte Prof. Dr. Heinz-Jochen Heinze deutlich. Als Vorsitzender des Medizinischen Beirats für den Aufbau der Medizinischen Fakultät hat er den Prozess intensiv begleitet. Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, würdigte das Forschungsprofil, das sich der Medizin für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen widmet.

Innovative Ansätze

Die innovativen Ansätze in Forschung und Lehre, das kreative Miteinander und die gute Atmosphäre auf dem Campus, die enge Anbindung an die medizinische Praxis, die soziale Stadt mit ihrer kulturellen Vielfalt – diese Argumente nannten die Professorinnen Dr. Wing-Kee Lee und Dr. Christiane Muth sowie Prof. Björn Spittau und Prof. Dr. Martin Driessen dem Moderator Eckart von Hirschhausen auf die Frage, warum angehende Medizin-Studenten sich für die Uni Bielefeld entscheiden sollten. Unabhängig von der gelungenen Werbung der neuen Hochschullehrer wird es wohl dauerhaft genug Bewerber geben. Die Nachfrage übersteigt das Angebot an Studienplätzen um ein Vielfaches.

Szenenapplaus für Minister

 NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erfüllte der gestrige Festakt mit Freude und durchaus mit Stolz: „Jetzt haben wir die Fakultät in Bielefeld und die nimmt uns keiner mehr weg“, erklärte der Minister, der seine politischen Botschaften immer wieder mit seinem trockenen Humor garnierte. Laumann gilt als Impulsgeber und Kämpfer für den Aufbau der Mediziner-Ausbildung in OWL. Er würdigte die Ausrichtung der Uni auf die andernorts lange vernachlässigte Allgemeinmedizin. Hausärzte seien elementar für eine gute Gesundheitsversorgung gerade in ländlichen Regionen. Der Minister hofft, mit dem Ausbildungsstandort Bielefeld auch mehr junge Allgemeinmediziner für hausärztliche Praxen auf dem Land zu begeistern. Und in typischer Laumann-Manier erklärte er trocken, warum das auch für Mediziner attraktiv sein könne: „Einen Westfalen zu behandeln ist für einen Arzt nicht schwer: Der ist als Patient nicht besonders anspruchsvoll und redet nicht viel.“ Nicht nur dafür erntete der Minister Szenenapplaus..

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